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r4f-Sampler Vol 3

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Pal One
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Interview
"Interview: Asimero"

R4F: Seit deinem letzten Album "Fokus: Rap" (2007) ist es sehr ruhig um deine Person geworden. Was treibst du eigentlich zurzeit?

Prinzipiell ist mir diese ganze Internetpräsenz in allen Foren, dieses Auftreten, wenn man ein Exclusive oder die eigene Website macht, irgendwann zu viel geworden. Ich hatte jetzt auch nicht wirklich so ein Team hintendran, dass das alles selbst gemacht hat. Primär habe ich mich dann komplett aus diesem Myspace- und Homepage-Ding zurückgezogen, weil es mir echt auf die Eier ging. Ansonsten habe ich nicht viel getrieben. Neben der Musik hat man auch ein Leben und da muss man auch gucken, dass da alles auf dem Dampfer ist und alles im Reinen bleibt.

R4F: In etlichen Foren las man, dass sich "Fokus: Rap" nicht verkauft haben soll und du deswegen von der Bildfläche verschwunden bist. Persönlich kann ich mir das nicht vorstellen, weil ihr danach ja noch eine Instrumentalversion davon rausgehauen habt.

Ach von den Verkaufszahlen her...Ich glaube, ich habe bisher bei keiner LP soviel verkauft, dass es irgendwie für Schlagzeilen hätte sorgen sollen oder sonst irgendwas. Aber "Fokus: Rap" hat sich besser verkauft als das erste Album. Das waren noch nicht mal die Beweggründe, warum ich mich jetzt wirklich ein wenig distanziert habe. Wenn ich permanent von einer LP immer weiter zur nächsten springe, dann hat man keinen richtigen Output mehr, womit man zu 100% zufrieden ist. Das war mit der Hauptgrund, warum ich erst einmal ein bisschen low gemacht habe. Ich bin kein Millionär geworden. Das war immer harte Arbeit und der Lohn hat mich eigentlich auf jeden Fall immer zufrieden gestellt.

R4F: Komplett mit der Musik abgeschlossen, hast du jetzt aber nicht oder?

Nee, auf keinen Fall! Ich war auch recht fleißig in dem Jahr, wo ich jetzt abstinent war, bloß hat das keiner mitbekommen. Ich hatte auch keinen Bock, dass ich für eine aufgenommene fünf Track EP, überall hingehen muss um es publik zu machen und von jedem danach befragt zu werden. Deswegen habe ich mich auch so ein bisschen distanziert.

R4F: Was war da eigentlich mit deinen Fans? Du warst ein angesehener Künstler. Gab es da nicht zum Beispiel Myspace-Nachrichten mit den Fragen: "Wann kommst du wieder?" oder "Wo bist du?". Du hast ja auch ein Forum, in dem viele gar nicht wissen, was eigentlich so los ist.

Da fängt es aber an. Muss ich das jemanden erzählen, wenn ich ein halbes oder dreiviertel Jahr meine Ruhe haben will? Ich will kein Abziehbild sein und keine Puppe, die man kauft und in sein Fenster stellt oder ein Poster, dass man sich in sein Zimmer hängt. Meine Entscheidung treffe ich für mich, meine Freunde, meine Familie und meine Frau. Alles andere interessiert mich nicht. Ich habe keinen Bock mehr darauf, dass ich eine menschliche Litfaßsäule bin, auf die immer alle gleich draufknallen, wenn ich nicht erzähle, was ich gerade mache. Das ist mir auch auf die Eier gegangen und das war auch mit ein Grund, warum ich mich erst mal distanziert habe. Das Ausquetschen lassen über die neusten News und Facts, das macht irgendwann auch keinen Spaß mehr, wenn du den ganzen Scheiß zum 5000. Mal immer wieder erzählen musst und dich rechtfertigst über irgendein Scheiß, der nicht auf deinen Mist gewachsen ist oder über irgendwelche Gerüchte. Wenn man noch von den Gedanken Fan ausgeht... Wenn ich was Neues rausbringe, sie es hören wollen, dann sollen sie es holen und wenn sie sauer sind, weil ich mich nicht gemeldet habe oder sonst was, dann kann ich das auch verstehen und muss damit leben. Wenn ein Kumpel mich anruft und sagt: "Arschloch, du hast mich seit vier Monaten nicht mehr angerufen". Dann ist es die eine Sache, weil ich den Kerl seit Jahren kenne. Aber ich finde, dass Künstler wieder viel mehr das Produkt Mensch sein sollten.

R4F: Ja, aber das ist doch sozusagen die andere Seite der Medaille, wenn man populärer wird und jeder wirklich als dein Kollege ankommt.

Natürlich. Das gehört auch dazu. Aber ich will das einfach nicht mehr. Das nervt mich, wenn mich Leute beim Einkaufen oder irgendwo in der Stadt angelabert haben, weil sie mich beim Xavier gesehen haben, DAS gelesen haben oder DAS gelesen haben. Es kommt immer auf die Art und Weise an. Manche Leute sind cool, mit denen unterhältst du dich zwei Stunden und hast auch, wenn du die wiedertriffst, eine Basis gefunden, sich da weiter zu unterhalten. Aber man muss einfach differenzieren. Manche Menschen haben den nötigen Respekt noch davor, zu verstehen: "Okay, der will jetzt auch seine Ruhe haben.". Und andere haben ihn nicht und die Nerven halt. Das muss ich ganz ehrlich sagen.

R4F: Trotzdem tue ich das jetzt... Was ist denn demnächst mal geplant? Eine EP? Ein komplettes Album?

Das nächste was geplant und definitiv schon im Kasten ist, ist eine zehn Tracks starke LP, die, wenn ich mich nicht täusche, am 17. April erscheinen soll. Ich habe eine LP aufgenommen, die heißt "Seelentreffen", und wird von Kool DJ GQ und Patrick Ahrend aus dem Curse Umfeld produziert. Das wird wieder über Starting Lineup Records erscheinen.

R4F: Was kann man denn inhaltlich so erwarten? Wieder den alten Pal?

Was heißt den alten Pal? Was mir immer wichtig war und aufgefallen ist, wenn ich meine LPs durchhöre, ist der Reifeprozess, das Älterwerden, die Themenauswahl und wie ich rappe oder über was ich rappe. "Seelentreffen" ist eine ruhige soulige Platte, die ich schon immer mal machen wollte und da ist nichts mit auf die Fresse-Synthie-Beats. Es ist schön smooth gehalten und es sind viele schöne Themen drauf. Natürlich bin ich mir inhaltlich treu geblieben und das werde ich auch immer sein. Da gibt es auch gar keinen anderen muskalischen Weg etwas anders zu machen wie ich es jetzt mache.

R4F: Und wie sieht es Feature-mäßig aus?

Ich habe ein Feature auf einem Song drauf. Das ist die Sängerin Nicole Hadfield von der Mannheimer Band Groove Guerrilla. Ansonsten alles ich!

R4F: Das hört sich sehr gut an...

[lacht]

R4F: Du bist ja auch auf dem neuen Snowgoons Mixtape "German Snow" dabei.

Was? Ja? [lacht]

R4F: Bist du oder bist du nicht? Zumindest auf der Tracklist taucht dein Name mit auf. [lacht]

Ja? Na gut, dann bin ich dabei. Den Song habe ich vor ein paar Wochen mit denen aufgenommen, aber ich wusste gar nicht, dass die schon dafür Promo machen. Den Det und den Illegal kenne ich schon seit Ewigkeiten. Da ist noch ein Stück weit mein Herz voll involviert, wenn ich mit so Leuten zusammenarbeite. Det hat mich damals, als ich noch über Empire Records released habe, Wochenende für Wochenende, immer wieder aus Bamberg abgeholt und das war schon eine Strecke von Bamberg nach Mannheim, die er abzufahren hatte. Dann haben wir zwei Tage aufgenommen und er hat mich die Strecke wieder zurückgefahren. Dem habe ich einiges zu verdanken und das sind die Musiksachen, die auch Spaß gemacht haben. Und auch der Illegal damals bei Empire, der viel mit dem Mo zu tun gehabt hat, dem habe ich auch von früher viel zu verdanken.

R4F: Die Website von Starting Lineup Records ist genau wie deine derzeit offline? Ist das die Ruhe vor dem Sturm oder was passiert da genau?

Ich empfinde, dass man den Promoaufwand mit den ganzen Interviews und den Anzeigen, die ich zu "Fokus: Rap" oder "Palwolf" im Netz geschaltet habe, auch viel günstiger gestalten kann. Es geht einfacher und man hat den gleichen Effekt. Den Rap oder HipHop hat die Wirtschaftskrise ja jetzt nicht so getroffen. Der Markt mit den CD-Verkäufen ist für mich sowieso schon fast ausgestorben. Ich kann auch niemandem mehr vorwerfen, dass wenn eine CD zwei Klicks entfernt ist, er dann noch in den Laden zu gehen hat, um die zu kaufen. Finanzielle Sorgen hat heute mittlerweile schon fast jeder zweite, den du auf der Straße triffst und dass da nicht das große Geld für überteuerte CDs da ist, kann ich schon verstehen.

R4F: Wie sieht denn die vereinfachte Form aus? Back to the roots und die Sachen aus den Kofferraum verkaufen oder die Leute noch mehr auf Gigs begeistern?

So arg back to the roots, dass man die Sachen aus dem Kofferraum verkaufen muss, soweit bin ich noch nicht. Es gibt nur einen gewissen Grad, was Internetpräsenzen wie Foren oder Infoseiten angeht, die wirklich relevant sind und die kann man an zwei, drei Händen abzählen. Wenn man mit denen zusammenarbeitet, reicht es einfach für die Promo. Ich brauche keinen MTV oder Viva-Teaser. Die Leute, die auf diesen Sendern nach Mucke gucken, haben mit Rap und HipHop sowieso gar nichts mehr zu tun. Wie ich das ein Stück weit bei "Fokus: Rap" gedacht hatte, dass ich schon an einem Punkt angekommen bin, an dem das mit etwas weniger Einsatz und mehr Lohn einfach so ablaufen kann, geht einfach heutzutage nicht mehr. Schon gar nicht auf Independence Basis, wo man sich mit Musik über Wasser halten muss, so dass man sein Leben locker leben und alles zahlen kann.

R4F: Du hast ja damals auch deinen Job - ich glaube, du hast mal gesagt, dass du auf dem Bau tätig warst - für die Musik an den Nagel gehängt. Hat sich das wieder gewandelt, vor kurzem habe ich gehört, dass du wieder arbeiten gehst, bei Daimler.

Früher als ich die Ausbildung mit 17, 18, 19, begonnen habe, war mir nichts wichtiger wie Musikmachen. Was man für sich existenziell tut, war mir vollkommen scheißegal. Mir war es nur wichtig auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Als ich die Ausbildung beendet hatte und in feste Arbeitsverhältnisse übergangen bin, ist es von der musikalischen Seite immer größer und mehr geworden. Ich bin dann auch noch ein Mensch, der sagt: "Halt an deinen Träumen fest. Glaub daran und kämpf dafür." So etwas kann aber auch einfach mal in die Hose gehen. Wer gerade Deutschrap mag... Wenn es sich so stetig gehalten hätte wie '98, '99 oder 2000, dann wäre das alles auch gut gegangen, aber mittlerweile kann man mit manchen Künstlern, Major Deals und Labels als Independent Künstler eben nicht mithalten. Da geht halt viel was ein Independent Künstler macht unter. Gegen das Geld und die Gewalt, die dagegen steht, kommst du nicht an.

R4F: In der Vergangenheit gab es ja diesen Beef mit Sprachtot und Jonesmann. In deinem Forum hast du geschrieben: "Ich denke wir beide haben erkannt, dass man gemeinsam seine Stadt mehr pusht, als gegeneinander." Bedeutete das, dass da auch gemeinsame Tracks kommen können oder ist das nur das Ende der leidigen Geschichte?

Du, ich weiß es nicht. Ich habe Sprachtot schon seit Jahren nicht mehr gesehen oder getroffen. Keine Ahnung was bei dem geht. Jonesmann habe ich das letzte mal am letzten Tourtag der Xavier Naidoo Tour gesehen, bei der wir zusammen dabei waren. Seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen, auch nicht gesprochen, mit ihm telefoniert oder sonst was. Bisher kam es zu keiner Aussprache. Ich bin da jetzt gerade auch nicht in der Partei, die da die Initiative ergreifen müsste und mehr kann ich dir dazu auch wirklich gar nicht sagen. Ich glaube, dass es mehr um mich und Jonesmann ging, weil Sprachtot war ja eigentlich auch nur eine Nebensache. Du müsstest echt mal ihn fragen. Ich kann dir darauf keine Antwort geben. Was die Zukunft bringt, weiß keiner.

R4F: Da gab es ja diesen Vorwurf, du seist ein Nazi. Klar, jeder der dich mal gesehen hat, würde zustimmen, dass das Feindbild gut getroffen wäre. Gerade die Leute, die deine Stellungnahme "Kein Käse" nicht gehört haben, könnten ja quasi wegen deinem Äußeren schnell darauf schließen, dass Jones mit der Sache Recht hat. Willst du dich vielleicht deshalb noch mal dazu äußern?

Aus allen der Resonanzen, die ich darauf gekriegt habe, habe ich hauptsächlich heraus gehört, dass die Leute kapiert haben, was für einen Schwachsinn er da verzapft hat. Für mich gibt es da nichts zu sagen. Ich bin niemandem eine Rechenschaft für Irgendwas schuldig. Wenn wir als Weiße in Deutschland, uns nicht über andere Nationalitäten aufregen dürfen, warum sollten das andere Nationalitäten über uns tun? Das ist hirnrissig im Jahre 2009 über eine Rassenhassdiskussion an HipHop ranzutreten und es ist schon immer für mich schwachsinnig gewesen.

R4F: Für mich eigentlich auch. Wer gerade die Grundgedanken und die Entstehung von HipHop kennt, der kann keinen anderen Künstler als Nazi beschimpfen, der selber Rap macht. Ist doch im Prinzip voll der Wiederspruch.

Wenn du musikalisch eine gewisse Grundkenntnis hast und jemand meine Songs kennt, ist es damit eigentlich schon beantwortet und alle anderen, die meine Songs nicht kennen oder nur diesen Disstrack gehört haben: HipHop ist ein Teil in meinem Leben und wird nie das komplette Ding ausfüllen. Die Vorwürfe, die da gekommen sind, dass hat mir jeder oft genug gesagt, sind absoluter Schwachsinn.

R4F: Die Vorwürfe haben deiner Person aber nicht geschadet, dass da irgendwie so einer von der Seite so ankam?

Nee!

R4F: In der Juice hat sich Retrogott von Huss und Hodn geäußert, dass das Nationalbewusstsein mit den Begriffen "Stolz", "Ehre" und "Blut" immer häufiger in der deutschen Szene benutzt wird. Als größtes Beispiel nenne ich mal Fler, der damit gerne mal spielt. Insgesamt meinte er auf jeden Fall, dass es ein Rückschritt wäre. Was denkst du darüber?

Wer war das?

R4F: Retrogott. Huss'n Hodn.

Kenne ich nicht. Wie kann man das erklären? Du musst da weit weg vom HipHop. Die Zündstoffe dafür, die kommen von ganz anders her. Du musst auf die gesellschaftliche und auf unsere Situation acht nehmen. Wenn du als deutscher Staatsbürger keine Chance hast, einen festen Arbeitsplatz zu bekommen, ähnlich wie bei den Studienplätzen wird es da auch eher weniger als mehr, dann kommt dieser Mecker- und Nichtzufriedenseinstrip zum Vorschein. Solidarität zu seinem Vaterland? Ehre? Blut? Stolz? Für mich war immer das Wichtigste, dass ich mich im Spiegel noch angucken kann. Zu Hause fühle ich mich auch hier in Deutschland oder sonstwo. Was ist zu Hause? Ich brauche mein Wohnzimmer, mein Haustürschlüssel, mehr brauche ich nicht und da fühle ich mich wohl.

R4F: Aber haben denn solche Sachen wie Stolz, Ehre und Blut denn überhaupt irgendetwas im HipHop verloren?

Einen gewissen Stolz sollte jeder haben und eine Ehre sollte aufrechterhalten werden. Blut? Keine Ahnung, alter.

R4F: Um auf deine City Mannheim zu sprechen zu kommen, wo meiner Meinung nach nur Mnemonic und Prinze Low mit konstanten Output die Leute versorgen. Woran liegt es, dass es im Rhein-Neckar-Zentrum alles so verschlafen ist?

Mit Sicherheit liegt es auch daran, dass gerade die etwas größeren Camps eher gegeneinander als miteinander gearbeitet haben. Das ist schlicht und ergreifend meine Meinung und ich denke, dass sie auch die richtige ist.

R4F: Was sind das genau für Camps?

Keine Ahnung. Ich bin nicht in der Position irgendwelchen Leuten Camps zuzuordnen und zu sagen: "Die kommen daher und die daher." Da habe ich nichts mehr zu sagen.

R4F: In einem Statement hast du auch mal erklärt, dass Acts eigentlich vorhanden sind. Was sind das für Personen, die du repräsentativ für Mannheim siehst?

Die Leute, die ich schon immer geachtet und respektiert habe, habe ich meistens schon gefeatured. Primär geht es auch darum, dass in Mannheim, die einzelnen Rapcamps eher für sich gearbeitet haben. Das ist in jeder Stadt genauso. Aber niemand hatte hier jemals die Power in der HipHop-Wirtschaft, um ein größeres Camp hochzuziehen, was vielleicht mehrere Facetten von Mannheim beinhaltet. Ich hätte es nie geschafft. Mir war es finanziell nie so gegönnt, zu beschließen, dass ich ein Label gründe, um ein paar Acts aufzunehmen. Das ist auch ein Hauptgrund: In den Städten, wo viel mit Rap geht, war da immer einer dabei, der es wirklich gepackt hat und ganz oben stand. Die haben alle ihre Camps aufgebaut und dadurch siegt auch der Gesamteindruck der Städte, so dass es ausgeglichener wirkt als in Mannheim, weil es hier kein Camp gibt. Wir haben zwar hier den Xavier, aber er fährt auch eine andere Schiene als HipHop.

R4F: Wie sieht es den mit Newcomern in Mannheim aus? Da gab es wohl so einen Metropolä, der in den Vordergrund gerückt ist.

Ich befasse mich eigentlich fast gar nicht mehr, was da mit neuen jungen Leuten geht. Irgendwann hast du den Überblick verloren, weil täglich ein neuer King in die Szene tritt. Da bin wohl schon ein bisschen zu alt zu, dass ich den ganzen Tag nur noch über Rap und HipHop kommuniziere und alles nur an die Musik hänge.

R4F: Checkst du denn überhaupt noch deutsche Releases ab oder ist das jetzt auch in Hintergrund geraten?

Joa, wenn es mich interessiert, checke ich das schon noch ab. Ich habe genug mit meinem Kram zu tun und die Zeiten sind einfach rum, nur weil man das gleiche tut, dass man dann zusammen eine Community oder Familie darstellt.

R4F: Was war denn so genau das letzte Album, das du dir so mal durchgehört hast?

Boah, jetzt versuche ich mich mal zu locken. Lass mich mal überlegen... Das letzte was ich durchgehört habe, war das Savas Album.

R4F: Was ist mit der neuen Banjo und Jonesmann Kollabo-LP? Die wirst du dir wahrscheinlich nicht anhören!?

Oh, nee. Das sind zwei geile Künstler, die cool rappen können und ihr Album wird sicher super werden. Aber es ist mir jetzt neu, dass da eine LP kommen soll. Ich habe da noch überhaupt nichts von gehört.
R4F: Sie ist schon draußen.

Vielleicht resultiert das wirklich daraus, dass ich mich zurückgezogen habe. Wie gesagt, ich habe nichts mitgekriegt. Muss ich mal reinhören.

R4F: Kommen wir zu ein paar allgemeineren Fragen. Ich habe gelesen, dass du relativ am Anfang deiner Karriere, Ende der 90er, Advanced Chemistry kennenlernen konntest. Was war das für Eindruck? Haben sie dich inspiriert?

Für mich hatte die Zeit damals einen Vorteil und zwar wurde HipHop und Rap dazu benutzt, was auszusagen und etwas zu bewegen. Die Jugend und Menschheit sollte ein bisschen zum Nachdenken animiert werden. Probleme sollten aufgezeigt werden, Denkanstöße und Hilfe gegeben werden. In den HipHop habe ich mich verliebt und es gibt für mich keine Musik, die etwas anderes darstellt und die ich damit vergleichen kann.

R4F: 2007 warst du mit Xavier auf Tour. Bei 3p rumort es derzeit auch kräftig. Habt ihr noch alle Kontakt?

Eigentlich zurzeit gar nicht mehr. Ich schaffe wieder Schicht. Wenn ich daheim mit dem Arsch auf der Couch hänge, bin ich auch zufrieden. Es ist wirklich so, dass ich momentan mit keinem aus Mannheim was Musik angeht, gesprochen habe. Irgendeine geheuchelte Scheiße wie: "Wie geht es dir? Schön dich mal wieder zu sehen." Das brauche ich nicht.

R4F: Hast du denn überhaupt noch etwas mit Monroe zu tun? Der hat ja immerhin "Fokus: Rap" komplett produziert.

Da habe ich auch nichts mehr von gehört.

R4F: Es ist eine neue Reihe von "Feuer über Deutschland" erschienen. Hattest du da Angebote, da mitzumachen?

Nee, ist mir auch neu. Du informierst mich sehr gut gerade.

R4F: Stichpunkt Raubkopierei. Immer mehr Rapper veröffentlichen ihre Sachen digital und Prognosen sagen auch, dass das Format CD in Zukunft komplett verschwinden wird.

Na klar, ja.

R4F: Wie sieht das denn bei dir aus? Wirst du deine Sachen noch pressen lassen oder doch lieber digital herausbringen?

Aus dem Schallplattenalter, auch wenn es im HipHop und der DJ-Ebene noch eine große Schiene ist, sind wir wohl alle nicht groß geworden. Wir sind CD-Kinder. Für mich zählt ein Release, wenn ich es mit einem Booklet in der Hand halte, aus der Folie auspacke und in das Regal stelle. Das ist für mich eine Wertschätzung. Mit diesem ganzen Mp3-Kram... ich meine, es ist zwar cool mit iTunes und Musicload, dass man auch darüber verkaufen kann, weil die Leute lieber einen zwei mal drei großen Mp3-Player in der Tasche haben. Das kann ich auch voll verstehen. Der Fortschritt geht weiter. Das Medium CD wird auch irgendwann veraltet sein und wenn es dann nur noch über die digitale Ebene abläuft, wird die Produktion einfacher.

R4F: Es gibt diese These - Rap minus Lügen gleich HipHop. Du wurdest stets als ehrlicher Rapper geschätzt. Gilt diese Aussage auch für die hiesige Szene?

Was auch mitgespielt hat zu dem Break, das ich mir genommen habe: Wenn du Rap machen musst, um zu überleben und Geld zu verdienen, verliert es irgendwann den Reiz auf die Bühne zu gehen, im Studio zu stehen und einen neuen Song aufzunehmen. Wenn es wirklich an dem Punkt ist, an dem es mehr anfängt lästig zu werden, als Spaß zu machen, sollte man wirklich vielleicht zu dem zurückgehen, bei dem es angefangen hat: Jeden Tag einen Song für sich machen und wieder den Spaß an der Sache finden. Rapmusik war bei mir irgendwann nur noch Arbeit und Arbeit macht auf Dauer keinen Spaß. Für mich ist es absolut sinnvoll ein bisschen runterzukommen um wieder aus Spaß Musik zu machen und nicht weil man in den letzten Monaten kein Release hatte und deswegen was rausbringen muss. Heutzutage muss man immer dabeibleiben, immer Interviews und Exklusives machen, ansonsten vergessen dich die Leute oder haben dich einfach nicht mehr auf dem Schirm. Ich wollte ja bewusst aus diesem ganzen Medienstrom den Stecker ziehen.

R4F: Aktuell ist es ja sehr populär den Effekt des Autotunes zu benutzen. Außerdem fließt wieder immer mehr Electro in den Rap ein. Wie beurteilst du das?

Ich weiß es nicht. Für mich wird Rap immer im 4/4 Takt bleiben und Beats aus der MPC. Ich bin auch nicht mehr so dabei, dass ich jeden neuen Fortschritt in der Musik wahrnehme und darüber urteilen kann. Ich bin zufrieden mit dem Rap, den ich liebe und den ich höre.

R4F: Okay, abschließend ein kleines Brainstorming. Ich sage gebe einen Begriff und du die Assoziation!

"Fokus: Rap"? Das ist nicht einfach! Ich bin sprachlos...
Echte Musik? - Da sollte ich dich vielleicht vorher noch informieren, dass damit das von Jonesmann gegründete Label gemeint ist. Nicht, dass es zu einer Verwechslung kommt: Viel Glück.
Mannheim? Mein Herz.
Graffiti? Muss ich mal wieder machen.

R4F: Das war es eigentlich insgesamt. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Mir fällt auf, dass ich dich eigentlich insbesondere zu den Dingen befragt habe, die dich in der Vergangenheit gestört haben. [lacht]

Kein Problem.

R4F: Die letzten Worte überlasse ich dir.

Checkt auf jeden Fall am 17. April "Seelentreffen" ab. Produziert von Kool DJ GQ und Patrick Ahrend. Ansonsten werde ich weiterhin Musik machen und Releases haben. Aber ich werde Musik mit der Intensität auf gar keinen Fall mehr betreiben, wie ich es in den letzten Jahren getan habe, weil es für mich einen anderen Stellenwert im Leben eingenommen hat. Ansonsten alles cool!
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