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Adventskalender 2008

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Blaze
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Interview
"Interview: jaytodadee"

R4F: Seit ein paar Tagen steht dein zweites Soloalbum "Karma" in den Läden. Bist du erleichtert oder nervös?

Ich denke, ich bin diesmal eher ein bisschen nervöser als bei meinem letzten Album, weil "Karma" einfach ein bisschen anders ist und ich nicht weiß, wie das Feedback sein wird. Bei "Schocktherapie" war es so, dass ich nichts zu verlieren hatte, da habe ich es einfach auf mich zukommen lassen, aber jetzt ist schon eine gewisse Erwartungshaltung da. Deswegen müsste ich jetzt lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht nervös bin. Mir geht es halt darum, wie es aufgenommen wird.

R4F: Wenn man das Line-Up deiner beiden Alben vergleicht, fällt auf, dass die Gästeliste bei den LP's beinahe identisch ist. Ist das Zufall oder hast du das bewusst so gewählt?

Von beidem etwas. Ich hatte für das Album sehr wenig Zeit, da ich es innerhalb von eineinhalb Monaten heruntergearbeitet habe. Die Leute, die mit drauf sind, also She-Raw, CJ, Manuellsen, Jones und so weter, sind Personen, von denen ich künstlerisch sehr viel halte. Da ich mich mit ihnen auch persönlich super verstehe, macht mir die Zusammenarbeit immer Spaß, da wir einfach auf einer Wellenlänge sind. Ich wollte keine
Künstler featuren mit denen ich mich nicht so verstehe, wie mit den genannten.Nur, damit ich nachher große Namen auf meiner LP habe. Es hat beim letzten Album gut geklappt. Alle Features waren krass und das ist auch bei diesem Album nichts anderes. Ich kann da einfach einen Song schicken, ohne, dass ich sagen muss, was ich genau brauche. Ich weiß genau, dass das, was zurückkommt, geil ist und mir gefällt. Für mich persönlich ist es immer sehr wichtig, dass ich einen guten Draht zu meinen Gästen habe und von daher werde ich diese Künstler immer wieder auf meinen Tracks haben. Auf jeden Fall war es mir für das Album wichtig, genau diese Künstler mit drauf zu haben um das abzurunden.

R4F: Auf "Karma" hat unter anderem wieder Lex Barkey produziert. Er ist ja auch bei Echte Musik gesignt. Stimmt bei euch die Chemie besonders gut?

Wir machen ja schon seit zehn Jahren gemeinsam Musik. Das fing natürlich auch alles vor Echte Musik an. Wir haben über die Jahre sehr viel voneinander gelernt, dass war immer ein Geben und Nehmen. Wir wissen, was der eine von dem anderen erwarten kann und wissen auch, dass die Chemie stimmt, wenn wir im Studio sind. Ist egal, ob ich jetzt einen Beat picke, einen Song mache und dafür einen bestimmten Beat brauche, oder ob wir beide im Studio zusammen sitzen und einen Track produzieren. Das klappt alles reibungslos. Ich kann ihm auch immer alles sagen. Wenn ich beispielsweise einen Beat will, der sich anfühlt wie grüne Farbe, jetzt mal ganz dumm gesagt, versteht er genau was ich will. Wir sind da voll auf einer Wellenlänge. Musik kann man manchmal nicht so einfach mit Worten beschreiben, aber wir verstehen uns da auch so. Deshalb ist auch klar, dass er so viele Songs von mir produziert. Das hat jetzt weniger etwas mit Echte Musik zu tun.

R4F: Der bekannteste Track von deinem Debütalbum "Schocktherapie" dürfte wohl "Christina" gewesen sein. Gibt es einen ähnlichen Clubhit auf "Karma" geben?

Auf jeden Fall! Zum Bespiel "Über den Dächern", der Song mit Jones, oder auch "Ich Geb Gas". Die haben definitiv das Potenzial in den Clubs zu laufen, weil sie schon in die Feierrichtung gehen. Das sind natürlich keine Mallorca-Ballermannlieder, aber ich denke schon, dass man die Songs in einem Black-Club spielen kann, ohne das jetzt gleich jeder denkt "Oh Gott, was ist das?".

R4F: Neben Clubtracks bietet "Schocktherapie" ja die verschiedensten Themengebiete, egal ob Battle-Tracks, Storyteller oder deepere Songs, es ist eigentlich alles vorhanden. Erwartet uns auf "Karma" ein ähnliches Konzept, oder gehst du diesmal bewusst in eine bestimmte Richtung?

Das Konzept ist schon ähnlich. Ich versuche wieder den Großteil davon abzudecken, was für mich wichtig ist. Dennoch zieht sich als roter Faden bei "Karma" dieses positivere Gefühl durch das Album. Die LP ist nicht mehr voller Negativität, wie es vielleicht bei "Schocktherapie" noch war. Diesmal sind Tracks drauf, wie "Du Bist Nicht Allein" oder "Du Schaffst Es" mit She-Raw. Die Songs sagen ja schon vom Titel her aus, dass das ein Ansporn ist positiver zu denken und positiver an Sachen ranzugehen. Das ist bei dem Album denke ich schon so. Bei "Schocktherapie" waren die Songs eher zusammengewürfelt. Es war zwar zu jedem Thema was dabei, aber es gab keinen Hauptfokus. Bei "Karma" schon, da liegt der Fokus wie gesagt eher auf dem Positiven. Das hat ja auch ein bisschen was mit Karma zu tun. Ich wollte einfach weg von diesem überharten Street-Ding, weil ich das nicht mehr gefühlt habe. Ich finde das zwar okay wenn andere Leute das machen und ich feiere das dann auch, aber ich persönlich wollte jetzt ein bisschen erwachsener sein und der allgemeinen Verdummung entgegenwirken. Viele Leute denken, dass alle HipHopper dumm im Kopf sind, nicht mal zwei Meter um die Ecke denken können und einen IQ wie ein Spülschwamm haben. Ich wollte das jetzt auf dem Album einfach anders machen. Wenn man auf die Texte achtet, merkt man, dass so gut wie gar keine Kraftausdrücke in den Texten sind. Da kommt mal "scheiße" oder "fick" vor, aber das sehr selten. Du wirst kein "Nutte", "Bitch" oder "Hurensohn" darauf finden. Ich wollte das nicht mehr machen und ich bin meiner Meinung nach auch einfach aus dem Alter raus, wo ich sage "Ich ficke deine Mutter...". Vielleicht spricht das Album ja auch so Leute an, die nicht unbedingt den Über-Gangsta-Rap hören, das war mir schon wichtig.

R4F: Wie war denn eigentlich das Feedback zu "Schocktherapie"?

Bei "Schocktherapie" war es für mich echt eine Befreiung als das Album draußen war. Ich hatte nichts zu verlieren, weil ich von einer verdammt schlechten Position gestartet bin. Leute haben mich die ganze Zeit über gehatet und mir versucht einzureden, dass ich nichts könnte. Von daher tat es gut, dass diese ganzen Hatereien, die man auch im Internet liest, nach dem Release plötzlich verstummt waren. Man hat nirgends gelesen: "Kack Album, habe ich doch gewusst...". Mit "Christina" habe ich dann wieder ein paar Hater auf den Plan gerufen. Trotzdem fand ich, dass das ein guter Move war, weil viele Leute da erst reingehört haben, um zu sehen was geht. Das Feedback war sehr positiv. Ich habe jetzt bei dem Release von "Karma" auch gemerkt, dass im Vorfeld fast keine Leute mehr da waren, die schlecht geredet haben. Klar kann man es auch nicht allen rechtmachen, Musik bleibt Geschmackssache und somit ist auch klar, dass nicht jedem mein Album gefällt. Trotzdem war im Vorfeld zu "Karma" viel positivere Resonanz da, weil die meisten Leute denken, dass es ein gutes Album wird.

R4F: Auf "Schocktherapie" hattest du ein Feature mit Petey Pablo mit dem Titel "Against The Wall" und auch auf "138 Minuten bis Karma" war ein gemeinsamer Track drauf. Dürfen wir uns da in Zukunft auf weitere gemeinsame Songs freuen?

Es liegen noch zwei Songs im Studio rum. Ich weiß aber nicht, ob wir die irgendwann mal raus hauen. Ich bin ein sehr offener Mensch, was das angeht und bin mit vielen Ami-Rappern cool. Ich mache das auch sehr gerne. Hier in Deutschland reden viele Rapper das immer so schlecht, von wegen "Ami-Feature brauche ich nicht", aber mir macht das einfach Spaß. Da wird in der Zukunft bestimmt noch der ein oder andere Track kommen. Es ist mir auch egal, ob der Ami-Rapper dann bekannt ist oder nicht. Wenn man miteinander cool ist, macht man halt Musik zusammen. Im Endeffekt machen wir doch das gleiche Ding und von daher werde ich das in der Zukunft auf jeden Fall immer wieder machen.

R4F: Mit welchen Amis bist du denn down?

Wir haben früher viele Beats an Amis vertickt, deshalb haben wir da immer noch Connections. Ich könnte dir da jetzt ein paar Namen aufzählen, aber das bringt eigentlich nichts, weil ich dir nicht sagen kann, ob ich mit den Rappern dann auch einen Track machen werde. Ich kenne auch einige US-Rapper, die ich musikalisch überhaupt nicht feiere. Die persönlich coole Chabos sind, mit denen ich aber nie einen Song machen werde.

R4F: Meine nächste Frage geht in eine ähnliche Richtung: Gibt es für dich noch ein Wunschfeature, sowohl im Deutschrap, als auch im US-Rap?

Da gibt es so viele, dass ich die dir wahrscheinlich gar nicht aufzählen kann. Außerdem ist das auch immer Tagesform abhängig. Aber wenn ich jetzt auf der Stelle einen Künstler sagen müsste, würde ich Drake wählen.

R4F: Warum ausgerechnet ihn?

Ich feiere den sehr. Es ist unglaublich, was der für einen Hype verursacht hat und ich finde die Musik, die er macht, sehr gut. Wenn es nicht Drake wäre, würde ich Young Jeezy nehmen.

R4F: Könnte ich mir gut vorstellen, dass das passt. Wir haben ja vorhin schon über den Mixtape-Teaser "138 Minuten bis Karma" geredet. Besagtes Mixtape hast du vor eineinhalb Monaten zum kostenlosen Download ins Netz gestellt. Hierbei sind auch diverse Exklusive Tracks mit drauf. Warum hast du entschieden, das kostenlos zur Verfügung zu stellen? Der ein oder andere hätte das als Best-Of Album kommerziell veröffentlicht...

Ich finde, dass muss nicht sein. Gerade diese Best-Of Alben haben für mich immer einen miesen Beigeschmack, da will man halt noch ein wenig mehr Geld scheffeln. Man kann doch froh sein, wenn Kids die Alben kaufen und man muss denen ja nicht einen Monat vor Release noch ein Mixtape aufs Auge drücken, wovon man eh die Hälfte kennt. Das ist dann halt einfach Geldmacherei und das finde ich nicht cool. Du musst auch bedenken, dass das für den jeweiligen Künstler immer auch ein Promo-Move ist, um dich wieder auf die Matte zu bringen. Außerdem hören das ja auch Leute, die dich bisher gar nicht kennen und dich erst dadurch kennenlernen. Also hat das am Ende des Tages für dich doch einen Vorteil.

R4F: Auf dem Mixtape rappst du bei einigen Tracks auf Englisch. Wirst du das fortführen?

Das weiß ich nicht, das waren einfach Launen der Natur. Die Tracks haben sich die Jahre über angesammelt, weil ich da gerade Bock drauf hatte. Ich finde, ich brauche das auch nicht zu verstecken, weil es sicher nicht die wackste Musik ist. Wenn ich Bock drauf habe, mache ich auch einen englischen Song, aber ich lege da jetzt nicht den Fokus drauf, dass mein nächstes Album auf Englisch sein wird. Das ist nicht der Fall. Das Mixtape war dafür gerade richtig um zu sehen, wie da die Resonanz drauf ist.

R4F: Als erste Single- und Videoauskopplung aus "Karma" hast du dir "Mein Deutschland" herausgesucht. Die Thematik ist ja auch durch Songs von beispielsweise Samy Deluxe oder auch Kodimey recht aktuell. Was willst du mit diesem Song sagen?

Ich wollte auf dem Song auf keinen Fall politisch klingen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich den Song von Samy gar nicht kannte. Mein Anwalt hat mir dann gesagt, dass es da diesen Song von Samy gibt und die Tracks ähnlich sind. Als ich den Song dann das erste Mal gehört habe, musste ich schon schlucken, weil ich dann auch dachte: "Oh krass, das kannst du jetzt nicht machen". Aber ich wollte mein Lied völlig unpolitisch machen und auch nicht den Zeigefinger heben. Ich rappe nicht wie Samy über die deutsche Geschichte, über die Nazis und die Jugend. Mir ging es darum, wie ich vorhin schon meinte, dass ich weg wollte von dem Street-Ding und das, über was ich rappe ist ja nur "ein ganz normaler Tag in deinem und meinem Deutschland". Ich wollte eher Aussagen, wie "In meinem Block verkaufe ich 5000 Kilo Koks" entgegenwirken. Ich wollte zeigen: Ein stinknormaler Tag in Deutschland sieht so aus für mehr als 80 Millionen Menschen. Nur ein minimaler Teil ist Tag für Tag am Schlägern und Messerstechen. Das ist eine geringe Zahl der Einwohner Deutschlands. Lass es am Ende vom Tag vielleicht 50.000 Menschen sein, die so ein hartes Leben hier in Deutschland haben. Deswegen war mir wichtig zu zeigen, wie es hier wirklich läuft, wie die Realität ist. Da sind die Leute, die im Stau stehen, jeden Tag mit der vollen U-Bahn fahren, die ihre Kinder in den Kindergarten bringen. Das sind alles so spießige Sachen, aber die passieren halt wirklich jeden Tag. Das wollte ich mit dem Song sagen. Mir ging es nicht darum, ein politisches Statement zu machen, wie es bei Samy der Fall war. Bei ihm ging es eher in die Richtung "Deutschland mach die Augen auf!". Deswegen würde ich sagen, dass die Songs sich gar nicht so sehr ähneln, weil halt die Aussage eine komplett andere ist.

R4F: Du hast einige Jahre in den USA verbracht, du hast auch amerikanische Wurzeln...

Ich bin amerikanischer Staatsbürger.

R4F: Okay, dann passt die nächste Frage sehr gut: Fühlst du dich denn eher als Deutscher und fühlst du dich hier wohler oder in den USA?

Darüber mache ich mir eigentlich kaum Gedanken. Ich bin natürlich den Großteil meines Lebens in Deutschland aufgewachsen, somit sehe ich mich doch wohl eher als Deutscher. Mein Sohn und meine Mutter leben hier, ich habe hier einfach meinen Lebensmittelpunkt. Obwohl ich auch immer gerne in die USA gehe und mich dort auch zu Hause fühle, muss ich doch sagen, dass ich im Großen und Ganzen Deutscher bin.

R4F: "Ich war ein No Name Kind, keine Filas und Nikes / Neuer Sommer, im letzten waren die Sneaker noch weiß / Ich trug Jacken über drei Winter und als alle einen hatten, hatte ich keinen Fernseher in meinem Zimmer". Das ist ein Zitat aus "Kennst du das auch?". Du bist ja selber Vater. Was unternimmst du, damit es deinem Kind nicht genauso ergeht, wie dir damals?

Das ist ein sehr materialistisches Statement. Für mich ist das gar nicht so wichtig. In der Situation war ich halt damals, deshalb habe ich es auch angesprochen. Am Ende des Songs sage ich aber auch, dass in meinem Zuhause Liebe geherrscht hat. Das ist auch das Wichtigste, wenn ich an meinen Sohn denke. Erstmal wünsche ich mir, dass er ein liebevolles Umfeld hat in dem er aufwächst, danach kann man über geile Schuhe oder sonst was reden. Und die hat er. Mit drei Jahren hatte er mehr Kickz zuhause als ich [lacht]. Ich versuche ihm alles zu geben, was er haben will und sorge dafür, dass es ihm immer gut geht und dass Essen auf dem Tisch ist. Das sind auch die wirklich wichtigen Sachen. Aber er muss keine Jacken über drei Winter tragen und er hat auch neue Sneaker. Bei mir war es aber auch eine andere Zeit. Ich hatte eine alleinerziehende Mutter, das ist bei ihm jetzt ja nicht der Fall. Mir ist auf jeden Fall am Wichtigsten, dass er Liebe bekommt, dass braucht ein Kind am meisten. Du kannst auch mal eine Jacke über drei Winter tragen. Wenn du weißt, dass zu Hause Menschen auf dich warten, die dich lieb haben, ist das deutlich mehr wert.

R4F: Du kommst auf deinen Tracks ja oft auf deinen Sohn zu sprechen. Wie sehr verändert es einen, wenn man Vater wird?

Sehr. Es war wirklich eine ziemlich krasse Veränderung, weil dir viele Dinge von einer Sekunde auf die andere klar werden und du deine Ansicht in sehr vielen Dingen änderst. Du hast plötzlich viel mehr Verständnis. Wenn deine Eltern früher zu dir gesagt haben und du dachtest: "Quatsch". Plötzlich hast du das wieder im Ohr und du verstehst, warum die das gesagt haben. Jetzt macht man sich über viel mehr Sachen viel mehr einen Kopf. Du hast ja nicht nur eine Verantwortung für dich, sondern auch noch für einen anderen Menschen. Am Ende des Tages musst du auch auf deinen Arsch aufpassen, dass dir nichts passiert, weil du ja sehen willst, wie dein Kind groß wird. Es gibt viele Veränderungen, die du mitmachst, wenn du Vater wirst. Es ist auch ein sehr krasses Gefühl.

R4F: Kinder eifern ja den Vätern immer nach. Sagen wir mal dein Sohn kommt mit sechs Jahren zu dir an und sagt: "Papa, ich will auch Rapper werden, wie du". Was wäre deine Antwort?

Das ist eine fiese Frage [lacht]. Wahrscheinlich würde ich ihm sagen, dass er es nicht tun soll. Auf meinem letzten Song "Ich brauche Dich" sage ich auch "Vielleicht wäre es cooler, wenn wir Freunde gewesen wären". Damit meine ich keine Chai, ich meine das was ich tue. Vielleicht wäre es also besser gewesen ich hätte die Finger davon gelassen und hätte etwas Anständiges gemacht. Irgendwann fängst du an eine Hassliebe zu Musik zu bekommen. Wenn ich vergleiche, wie ich Musik vor zehn Jahren konsumiert habe und wie ich das heute tue, ist das etwas ganz anderes. Ich würde meinem Sohn wahrscheinlich sagen, dass er machen kann was er will, aber, und das klingt jetzt auch spießig: "Vorher gehst du in die Schule und die machst du gut. Danach kannst du von mir aus rappen, aber du schaust erstmal, dass Geld auf den Tisch kommt." Das ist halt wichtig.

R4F: In dem Song "Mein Leben" kommst du auf die Problematik von einem fehlenden Vater zu sprechen. Glaubst du, dass Vieles in deinem Leben anders gelaufen wäre, wenn dein Vater für dich da gewesen wäre?

Wenn ich jetzt an meinen Vater denke, dann sage ich ein klares "Nein"! An sich hat mir eigentlich nichts gefehlt, ich bin auch so groß geworden. Über die Sache kann ich aber auch gar nicht viel sagen, weil ich nur meine Seite kenne.

R4F: Im gleichen Track erwähnst du auch Gott und den Teufel. Auf "Danke" sprichst du sogar direkt zu Gott. Bist du ein sehr gläubiger Mensch und was für eine Rolle spielt Religion in deinem Leben?

Ich war jetzt nicht immer der Gläubigste, aber wie schon gesagt, wenn du Kinder kriegst, ändern sich deine Ansichten zu manchen Dingen. Du schaust, dass du nach irgendetwas greifen kannst, wenn es mal nicht so gut läuft. Ich glaube auf jeden Fall an Gott, aber ich glaube nicht an das, was in irgendeinem Buch steht. Das sind für mich schon zwei verschiedene Paar Schuhe.

R4F: Seit Beginn deiner Karriere hast du deine Heimatstadt Frankfurt immer supportet und viel mit den dortigen Künstlern aufgenommen. Ein Frankfurter, der gerade ziemlich gehypt wird, ist Vega. Was hälst du von ihm?

Gefällt mir sehr gut, was er macht. Ehrlich gesagt hatte ich den bis vor kurzem gar nicht auf der Mappe, weil ich überhaupt nicht wusste, dass er Frankfurter ist. Bis ich dann bei Street-Rotation von 16bars.de ein Video von ihm gesehen habe, wo er teilweise über Frankfurt rappt. Das fand ich dann krass. Ich feiere ihn auf alle Fälle. Es ist auch wirklich an der Zeit, dass mehr Rapper aus Frankfurt hochkommen.

R4F: Nach deiner Aussage könntest du dir vorstellen, mit ihm etwas aufzunehmen, oder?

Ja, auf jeden Fall.

R4F: Du bist nun bereits ca. zehn Jahre mehr oder weniger im Rap-Business aktiv. Hat sich deine Einstellung zu HipHop die Jahre über verändert?

Ja, das ist das, was ich vorhin schon meinte. Ich beschreibe ja auf dem letzten Song von "Karma" das daraus eine Hassliebe geworden ist. Mir fehlen hier so viel Facetten, die es in deutschem Rap nicht gibt. Hier gibt es zwei Schienen: Die Masse sieht dich entweder als peinlichen Rucksackrapper oder du bist ein Gangsta-Rapper. Dazwischen gibt es keine Lücke wo du dich reinpressen kannst, weil alles andere einfach nicht zählt. Ich finde das, was hier passiert, sehr schade. Gerade aus den Gründen hat sich meine Einstellung schon verändert, weil es mir dann keinen Spaß mehr macht. Wenn ich zurückdenke, wie meine Einstellung zu HipHop vor zehn Jahren war, da dachte ich einfach: "Whoa ich geh rappen, geil". Dann bin ich ins Studio gegangen und als der Track dann fertig war, hat man den in den Plattenspieler eingelegt und drei Tage am Stück auf Repeat gehört und du hast dich dann gefeiert dafür. Mittlerweile ist es so, dass ich einen Song aufnehme, dann nach Hause gehe und mir den einmal anhöre, aber danach verschwindet der dann erst einmal. Ich feiere das alles nicht mehr so wirklich. Das kommt mit der Zeit wieder. Wenn ich jetzt mein Album in der Hand halte, weiß ich, dass ich etwas geleistet habe und finde das wieder cool. Aber bei Rap gibt es so viele Kleinigkeiten, die bei mir mit der Zeit einen faden Beigeschmack hinterlassen haben. Anders sehe ich das als Musikkonsument. In der Hinsicht finde ich Musik immer noch sehr geil und es macht mir auch Spaß verschiedene Musik anzuhören, das sind halt zwei verschiedene Welten. Aber wenn ich zu dir jetzt spreche als jemand der Musik macht, dann ist das ganze für mich mittlerweile komisch geworden.

R4F: Gibt es irgendetwas, dass du in deinem Leben anders gemacht hättest, wenn du darauf jetzt zurückblickst?

Das kann ich dir ehrlich gesagt gar nicht beantworten. Es gibt so viele Situationen in denen du verkackst, was du aber in dem Moment vielleicht gar nicht merkst. Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Satz "Das war der größte Fehler meines Lebens" schon gesagt habe. Wenn ich das sage, nehme ich mich mittlerweile auch gar nicht mehr ernst, weil ich das einfach schon hunderte Male gesagt habe. Ich wüsste aber jetzt nicht mal eine Situation, wo sich etwas für mich extrem verändert hätte. Wenn ich jemanden umgebracht hätte und 25 Jahre in den Bau müsste, würde ich natürlich sagen, dass ich das am besten nicht mehr mache, weil das dann eine große Veränderung wäre. Bei dem, was ich jetzt tue, würde sich denke ich, nichts so ins Positive verändern, dass ich das unbedingt rückgängig machen wollte.

R4F: Bleiben wir mal in der Fiktion. Du hast sicherlich den Film Matrix gesehen. Ich frage mich dauernd, welche Pille ich genommen hätte. Die Rote, um in der Fiktion zu leben, alles sei gut oder die blaue, um die Wahrheit zu erfahren und im Kampf zu leben. Was wäre deine Wahl und warum?

Das ist eine krasse Frage [lacht]! Aber ich denke ich bin so neugierig, ich hätte wahrscheinlich auch die gleiche Pille genommen wie der Typ. Obwohl. Du weißt ja jetzt was passiert, deswegen ist es so schwierig zu beantworten. Am Anfang wollte ich eigentlich schon sagen: "Manchmal ist es cooler, wenn du die Dinge lässt, wie sie sind." Und du lässt die Dinge dann auf dich zukommen. Wenn ihm das wirklich so passieren hätte sollen, wäre es vielleicht auch auf einem anderen Weg passiert. Aber ich denke, ich bin so neugierig und vielleicht wäre ich ja auch der Auserwählte und deshalb hätte ich die blaue Pille geschmissen.

R4F: Neben dir sind auf Echte Musik ja noch Criz, Yassir, Haftbefehl, Lex Barkey und natürlich Jonesmann vertreten. Stimmt es, dass ihr euch alle bereits lange vor dem Start von Echte Musik gekannt habt?

Der letzte,den ich kennengelernt habe, war Haftbefehl. Den kannte ich allerdings auch bereits ein Jahr vor dem Labelstart von Echte Musik. Ansonsten kannte ich jeden schon deutlich vorher, auch Criz und Yassir. Jones kenne ich schon seit 2001.

R4F: Ist es im HipHop-Business nicht manchmal auch schwierig, wenn man so eng befreundet ist?

Finde ich eigentlich nicht. Du musst halt darüber reden können, was dich stört. Außerdem musst du auch unterscheiden zwischen beispielsweise Jonesmann, dem Labelboss und Jonesmann, meinem Freund. Ich für meinen Teil verstehe vollkommen, wenn er eine Business-Entscheidung trifft und sagt dass man etwas nicht machen kann. Wenn ich jetzt sage, dass ich einen Videodreh für 10.000 € brauche und er sagt, dass das gerade nicht drin ist, dann ist das für mich klar und okay, dass das nicht funktioniert. Man redet über Sachen offen und ehrlich und legt dann die Fakten auf den Tisch. Selbst wenn man sich mal streitet, lacht man sich am nächsten Tag wieder an und du weißt, dass alles wieder cool ist. Wir reden hier von erwachsenen Leuten. Du musst manchmal auch über deinen Schatten springen und zurückstecken können. Das ist auch wichtig in einer Freundschaft, man kann es auch nicht immer so haben, dass für einen selber alles cool ist und andere leiden dann darunter. Am Ende des Tages ist das einfach ein Geben und Nehmen, was bei uns wunderbar funktioniert. Natürlich gibt es auch mal Differenzen oder man streitet sich oder man geht sich einen Tag lang mal aus dem Weg, aber am Ende gibt man sich wieder die Hand und alles ist cool.

R4F: Du hast im Jahre 2004 dein Mixtape mit dem Titel "Makin Moves" veröffentlicht. Danach hat man bis zur Veröffentlichung von "Schocktherapie" nicht viel von dir gehört, was hast du in der Zwischenzeit gemacht?

Ich habe an mir gearbeitet. Es war halt wirklich so, dass ich trotz des Mixtapes bei niemandem auf der Mappe war. Ich habe auf meine eigene Faust versucht in das Game zu kommen. Nachdem Mixtape habe ich aber gemerkt, dass das so nicht funktioniert und dass Leute nicht fühlen, was ich tue. Deswegen musste ich einen Spagat finden zwischen dem was ich bin und dem was ich tun muss, um Leute auf mich aufmerksam zu machen. Das heißt jetzt nicht, dass ich es auf Biegen und Brechen jedem Recht machen wollte, aber ich habe schon eingesehen, dass ich an mir selbst arbeiten und mich verbessern muss, sodass die Leute sagen: "Hey, der ist gut". Du hörst ja auch Sachen von anderen Leuten und denkst dir manchmal: "Krass, wie kommt der jetzt da drauf, wie macht er und warum sagt er das?". Wenn du bei dir selbst merkst, dass du keine Aussage hast und du nur sinnlos auf einen Beat rappst, dann musst du dir halt mal eine Auszeit nehmen und Sachen verändern. Ich denke, wenn man sich mein Mixtape anhört und direkt danach "Schocktherapie" wird man sich denken, dass ich mich krass zum Positiven verändert habe.

R4F: Jonesmann wird bald ja sein R'n'B-Album veröffentlichen. Kannst du uns da etwas zu dem jetzigen Stand sagen und wirst du auch darauf vertreten sein?

Der jetzige Stand ist, dass es einfach krass wird. Aber mehr kann und will ich jetzt auch gar nicht dazu sagen. Am Ende ist es sein Projekt und da muss er dir was dazu sagen. Aber ich verspreche dir, dass es einfach nur krass wird.

R4F: Und du bist mit drauf?

Bis jetzt noch nicht, aber ich werde mit Sicherheit drauf sein.

R4F: Was steht denn jetzt nach dem Release von "Karma" bei dir als nächstes an?

Ich sitze gerade schon am nächsten Top-Secret Projekt von Echte Musik. Da darf man auf jeden Fall gespannt sein, was da kommt, wird aber auch krass. Da arbeite ich halt gerade dran. Mehr kann ich da aber leider auch nicht sagen. Aber wenn das durch ist, werde ich mich an mein nächstes Album setzen und versuchen, dass das nächstes Jahr am Start ist.

R4F: Zum Ende des Interviews machen wir noch ein kleines Brainstorming:

Echte Musik: Machen wir!
Petey Pablo: Cooler Chab.
Frankfurt: Überstadt.
Christina: Brauchen wir nicht mehr.
Karma: Sollte jeder für sich finden und ist auf alle Fälle sehr wichtig, um herauszufinden wer man selbst ist.

R4F: Vielen Dank für das Interview, willst du unseren Lesern noch etwas sagen?

Ne, eigentlich nicht, außer: Kaufen gehen! [Lacht]
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