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r4f-Sampler Vol 3

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DCS
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Interview
"Interview: jaytodadee"

R4F: Vielen Dank, dass ihr euch Zeit für ein Interview mit uns genommen habt. Am 27. Januar erscheint euer neues Album "Silber", wie fühlt ihr euch vor dem Release?

Schivv: Vorfreude, ein bisschen aufgeregt, insgesamt gut. Wir haben ja jetzt alles gemacht, was wir machen konnten, der Rest liegt nicht mehr in unserer Hand.

Kallis: Genau, wir freuen uns außerdem über das bisherige Feedback.

R4F: Habt ihr euch intern ein Ziel gesteckt?

Kallis: Wir wollten ein gutes Album machen! Wir haben keine Erwartungen in Richtung Charts oder Verkäufe, aber wir wollten das für uns so gut und stimmig machen wie möglich.

Schivv: Unser Ziel war immer, eine Platte zu machen, auf die wir selbst stolz sein können. Eine Platte für uns und unsere Leute, die unseren Vorstellungen von Rap (formell und inhaltlich) entspricht.
Uns war und ist nicht so wichtig, ob sie sich hundert- oder tausendmal verkauft. Wobei Letzteres schon geiler wäre. Der Spaß ist nämlich ein teures Hobby.

Kallis: Jahresurlaub bye bye [lacht].

Schivv: Wir machen halt auch alles selbst, sind mit Beatz aus der Bude Rec. unser eigenes Label.

R4F: Kallis, du hast vorhin das positive Feedback angesprochen, wenn man sich ein bisschen umhört und umschaut liest man wirklich sehr viel Gutes über euch. Habt ihr erwartet, dass es so positiv aufgenommen wird?

Kallis: Um ehrlich zu sein, waren wir selbst ein bisschen überwältigt. Wir haben auch die Macht des Internets nicht so richtig erwartet. Unser letztes Album kam zu einer Zeit raus, als noch niemand von Facebook etc. gehört hat. Heutzutage kommt Feedback pronto. Und das ist zu 99% positiv, was, wie gesagt, ein sehr schönes Gefühl ist und uns auch irgendwie bestätigt, dass es da Menschen gibt, die Bock drauf haben.

Schivv: Das war im Vorfeld ja ein bisschen der X-Faktor: "Kennt uns eigentlich noch irgendein Schwein?" Es gibt anscheinend aber noch ein paar und vor allem jetzt auch ein paar neue. Irgendwie rasseln wir mit unserem traditionelleren Rapverständnis aber auch gerade in so einen Rückbesinnungszyklus rein. Insofern sind wir vielleicht zur richtigen Zeit mit dem richtigen Zeugs am Start.

R4F: Stimmt, euer letztes Crewalbum liegt ja auch schon eine Weile zurück... Als ich z.B. gerade angefangen habe, HipHop zu hören, hattet ihr "1999... von vorne" gerade veröffentlicht, dann kam ja sehr lange nichts mehr von euch zusammen. Wie kam es eigentlich zu der langen Auszeit?

Schivv: Uns war schon vor '99 klar, dass das Musikmachen nicht unser Beruf bleiben bzw. werden wird. Wir haben das bis dahin ein paar Jahre sehr intensiv betrieben, haben uns aber immer auch ein bisschen mit den geschäftlichen Aspekten des ganzen Dings beschäftigt, so dass uns klar wurde, auf was für einem Level man als Musikkünstler erfolgreich sein muss, um dauerhaft davon leben zu können. Diesen Erfolg hätten wir mit unserer Musik nicht haben können und auch nicht wollen, da wir sie nicht "berechnen" wollten. '99 war dann einfach ein sehr kompromissloses Album, was unsere "Scheiß auf das Business"-Haltung zu der Zeit ausgedrückt hat. Danach musste man sich dann orientieren. Peer und ich haben Examen gemacht und sind Anwälte geworden. Kallis ist Werbetexter geworden und viel in der Welt rumgejettet. Mike hat mittlerweile drei Kinder und leitet das Marketing bei Magma Bags. Real Life eben, da bleibt dann nicht so viel Zeit und Platz für Studionächte und schlechtes Essen [lacht].

Kallis: Man soll im Alter ja auch nicht mehr so schlecht essen [lacht].

Schivv: Eben, da muss man bisschen besser auf sich aufpassen. Das aktive Musikmachen ist einfach zurückgetreten hinter die Entwicklungen, die das leben so gebracht hat.

R4F: Was hat euch denn dann dazu bewegt, jetzt zurückzukommen?
Schivv: Bock auf Rap! Der war ja immer da, die ganzen Jahre. Es fehlte nur der Initialzünder. Den hatten wir auf Curse' "Feuerwasser-Sause" in Köln vorletzten Sommer. Er hat uns gefragt, ob wir ihn nicht supporten wollen, was wir dann gemacht haben. Das war unser erster Live-Auftritt seit acht oder neun Jahren und der hat das Feuer wieder entfacht. Und als wir dann einmal mit dem Album angefangen haben, haben wir einfach gemerkt, wie eigendynamisch sowas werden kann.

Kallis: Und wir hatten auch neue Dinge, über die wir reden konnten und wollten. Es gab Sachen, die man loswerden musste.

R4F: Habt ihr euch direkt danach überlegt ein Album zu machen? Bzw. in welchem Zeitraum ist "Silber" eigentlich entstanden?

Schivv: Diese Idee - "Lasst uns nochmal ein Album machen" - gibt es schon seit Jahren. Es fehlte nur der Zug, dass auch tatsächlich zu machen. Das ist dann ja eben doch viel Arbeit und in einigen Situationen muss man einfach dran ziehen und fertig machen. Wir sind im Herbst 2010 ein paar Tage in die Eifel gefahren, hatten Equipment dabei, Grillzeug und alkoholische Getränke. Lifeforce und Peer haben geschraubt, Kallis und ich haben geschrieben. Ab da war klar, dass das Projekt "Silber" offiziell gestartet ist und nicht mehr gestoppt werden kann [lacht]. Es fühlte sich spontan alles zu richtig an.

Kallis: Der erste Track, den wir dann gemacht haben war "Er", was ja irgendwie symptomatisch war; erstmal kurz alles aufarbeiten, dann ab dafür nach vorne.

Schivv: Ja, unsere Story halt. Der Produktionszeitraum war dann von Ende 2010 bis Ende 2011. Wochenendsessions, hin- und herjetten. Köln - Berlin, gut vorbereitet sein. Nicht so wie früher, dieses "Wir gehen heute mal ins Studio und schauen, was der Tag so bringt". Dafür haben wir keine Zeit mehr. Wir waren ziemlich effizient.

R4F: Mit Olli Banjo und Sido habt ihr ja zwei der bekanntesten deutschen Artists auf der Platte. Wie kam das zustande?

Schivv: Banjo ist einfach ein Kumpel, eigentlich schon immer, er hat mich in den letzten Jahren auch immer wieder gefeaturt. Er war aber noch nie auf einem unserer Alben, was uns wichtig war. Er ist teil unseres DCS-Kosmos, ein enger Buddy mit großem Herz und nebenbei der kreativste Musikmotherfucker, den ich kenne, weit über dieses Rapding hinaus.

Kallis: Und Sido hat sich netterweise bei uns gemeldet als er hörte, dass wir ein neues Album machen. Er ist eine coole Sau, deshalb hat das gepasst.

Schivv: Ja, er hat wohl "Wie war das nochmal" damals 1996 sehr gefeiert. Als er dann gehört hat, dass wir wieder was machen, meinte er, dass er dabei sein muss. Freut uns natürlich und wir haben einen sehr dopen song zusammen gemacht. Natürlich "Wie war das nochmal 2012".

R4F: Generell hatte ich beim Durchhören des Albums das Gefühl, dass es eine ziemlich erwachsene Platte geworden ist, gerade wenn man Songs wie "Eins" anhört, merkt man, dass sich die Prioritäten in euren Leben über die Jahre hinweg ziemlich verändert haben. War das auch die Message, die ihr auf "Silber" vermitteln wolltet?

Schivv: Auf jeden Fall, das war ein klares Dogma.

Kallis: Eine "Message" im eigentlichen Sinne hatten wir nicht, aber ja, wie Schivv sagt, wir wollten einfach uns so zeigen, wie wir jetzt sind. Mit Kindern und Kegeln.

Schivv: Nur echte Themen, nur Dinge, die uns wirklich betreffen und berühren. Kein Rap über Rap. Wir sind erwachsene Männer mit Berufen und Familien. Wir möchten kein Theater spielen, sondern Musik machen, die uns entspricht. Irgendwann wurde das dann auch wie ein Ehrgeiz: "Okay, lass uns der Welt zeigen, dass man mit Rap erwachsen werden kann. Dass man eine Platte machen kann, die auch Menschen Mitte/ Ende Dreißig noch berührt. Die zwar auf Rapmusik-Sozialisation aufbaut, aber das Leben nach der jugendlichen Abgrenzung und Selbstfindung beschreibt. Das Leben im irgendwo angekommen sein.

Kallis: Wobei wir nicht glauben, dass die Platte für jüngere menschen uninteressant ist

R4F: Die Produktionen kommen größtenteils natürlich von Lifeforce und Peer, daneben haben aber auch noch Crada, Adlib und Roe Beardie produziert. Warum wolltet ihr diese Producer auch mit drauf haben?

Schivv: Roe ist quasi DCS. Er hat an allen unseren Alben maßgeblich mitgewirkt: produziert, engineert, gemixt, gemastert, auch bei "Silber". Ein DCS-Album ohne Roe-Beardie-Beat geht nicht. "Sex im Alter", unser Song mit Olli, ist tatsächlich der erste Rapbeat, den er seit Jahren gemacht hat. Er hatte zwischendurch ein bisschen den Spaß an dem ganzen Ding verloren. Ich glaube, durch unser Rentnerremmidemmi hat er davon etwas zurückgewonnen. Roe hat im Übrigen auch unser Artwork und Fotos gemacht. Er ist ein ganz wesentlicher Bestandteil diese Albums. Ohne ihn und seinen Support wäre es nicht entstanden.
Zu Crada: Ich bin ein großer Fan seiner Sachen. Ich liebe diesen breitbandigen, filmischen Soulsound, dieses komponierte, was trotzdem dreckig-rappig bleibt. Ich kenne ihn von einer anderen Ebene und habe ihn dann irgendwann gefragt, ob er mir nicht ein paar Sachen schicken will, was er dann auch gemacht hat.

Kallis: Muss ehrlich sagen, dass ich Crada ohne Schivv nicht auf dem Schirm gehabt hätte. Schivv ist da wesentlich mehr drin. Aber als ich die Tracks gehört habe, habe ich keine Sekunde gezweifelt, dass das Wahnsinn ist, was er macht.

Schivv: Adlib war früher schon bei Peer und mir in der Edition. Insofern hatten wir auf dem Schirm, dass er über die Jahre immer weiter Beats gemacht hat. Als ich ihn dann zu Anfang unserer Produktionsphase, als Peer und Lifeforce noch ein bisschen in der "Beatfindungsphase" waren, nach Songs gefragt habe - einfach um mich ein bisschen inspirieren zu lassen - bin ich beim Hören seiner Dinger fast tot umgefallen. Der Typ ist ernsthaft wahnsinnig. Mit wie viel Verständnis, Liebe, Soul, Eiern, Detailbesessenheit und Style er dieses Beatdingen betreibt ist irre. Wir sind sehr, sehr glücklich, dass er mit drei Songs dabei ist. Außerdem haben wir im gleichen Studio produziert, in den Kölner "Brewery Studios", in denen parallel zu "Silber" auch sein Album "Haus und Garten" etstanden ist. Unbedingt hören, das erweitert!

R4F: Wie ihr vorhin schon erzählt habt, steht ihr alle voll im Berufsleben, habt Familien und Verpflichtungen. Wie schwierig ist es, das mit einer Rapkarriere unter einen Hut zu bringen?

Schivv: Schwierig!

Kallis: Das war schon ein krasser Aufwand!

Schivv: Deswegen wird das hier auch keine "Rapkarriere" mehr, sondern ein Album, das wir produziert haben und jetzt veröffentlichen möchten. Wenn uns dann noch fünf, sechs Leute im Frühling und Sommer buchen, kommen wir gerne vorbei und freuen uns, "Silber" auch mal live zu zeigen.

Kallis: Ich bin viel zwischen Berlin und Köln getingelt, musste Urlaubstage nehmen, und wir mussten uns auch in Logistik üben.

Schivv: Ja und ich hatte so Phasen, wo ich Sonntagabends meinen älteren Sohn ins Bett gebracht habe, dann ins Studio gedüst bin, bis halb vier da rumgemacht habe, um am nächsten Morgen wieder normal zu arbeiten. Wir haben schon viel investiert. So ist das anscheinend mit der Leidenschaft. Man braucht aber auch Leute um sich herum, die das mittragen.

R4F: Ihr seid mit euren zwanzig Jahren, die ihr mittlerweile im Game seid, wahre Veteranen der deutschen Szene. Wenn ihr die Szene heute mit der Anfang der 90er vergleicht, was sind eurer Meinung nach die größten Unterschiede?

Schivv: Gibt es eine Szene? [lacht]

Kallis: Gute Frage.

Schivv: Das hat sich doch alles massiv diversifziert, was ich gut finde...

Kallis: ...damals war es halt so ein Spezialistenhaufen. Fast schon nerdig. Heute gibt es alles: Major, Indie, Straßenrap, Studenten und alles dazwischen, das finde ich super! Ich bin dankbar, dass ich die Anfänge miterleben und mitmachen durfte. Da gibt es Hiphop-Erfahrungen, die man heute als Teenager nicht mehr machen könnte.

Schivv: Genau. Damals war Hiphop doch noch viel mehr Mindstate, Abgrenzung, Individualisierung. Heute ist das im Wesentlichen so eine subkulturelle Grundhaltung, von der dann die ganzen Ansätze ausgehen: von Kollegah bis Tua, von Casper bis Huss & Hodn, usw.
Ein bisschen schade finde ich, dass die Jungs und Mädels heute nicht mehr rausgehen müssen, um sich diesem ganzen Ding anzunähern. Sie holen es sich in ihr Zimmer. Dadurch wird alles auch ein bisschen virtueller, irgendwie künstlicher.

R4F: Stimmt! Verfolgt ihr die Rapszene zur Zeit? Wenn ja, welchen Künstler/ welche Platte habt ihr in letzter Zeit am meisten gefeiert?

Kallis: Das müssen wir wohl individuell beantworten. Schivv und ich sind, zum Glück, nicht immer auf demselben Film, was auch unsere Chemie ausmacht, glaube ich.

Schivv: Also ich verfolge das schon, einige Jahre quasi gar nicht, jetzt aber wieder vermehrt. Ich feiere Olli Banjo für alles was er macht. Ich feier das Album von Adlib, wie gesagt. Morlock Dillemma und Hiob sind für mich grandiose Typen: kreativ, schlau und Mördertechniker am Mic. Huss & Hodn finde ich irgendwie immer fresh.

Kallis: Also ich feier deutschrapmäßig immer noch die letzte Sache von Aphroe sehr. "Kleiner Mann" kann ich immer hören. Auch auf sein 90s-Projekt freue ich mich sehr. Ansonsten höre ich die letzten zwei Rick-Ross-Alben gerne, Kanye, trotz allem und ganz aktuell Das Racist, obwohl ich eigentlich komplett Hipsterphobie habe, vielleicht nur eine Phase [lacht]. Ach und Morlock und Hiob mag ich auch!

Schivv: Den ganzen Amirap verfolge ich natürlich, wenn auch nicht mehr bis in den letzten Blog. Da gab es viel Gutes im letzten Jahr.

R4F: Cool, das war es dann auch schon. Vielen Dank für das Interview und eure Zeit. Wollt ihr zum Abschluss noch etwas sagen?

Schivv: Bleibt Silber, Peoples. Bis die Tage!

Kallis: Hört euch unser Album an und wenn es euch gefällt, besorgt es euch. Wir haben auch ein sehr schönes Cover mit Texten und Artwork, usw. Es lohnt sich!
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