 | "Interview: stepansmic"
R4F: Hallo Jungs stellt euch doch zum Anfang vielleicht erst einmal vor. Wer ist das Team Avantgarde und für was steht es?
Phase: Ich bin Phase von Team Avantgarde und T.A. steht für mich für einen sehr ehrlichen und recht eigenen, bisschen introvertierten Style mit Mut zur Veränderung und sich ständig wandelnden Soundästhetiken. T.A ist auf keinen Fall engstirnig oder festgefahren.
Zenit: Ja, mein Name ist Zenit und ich bin verantwortlich für die Produktion der Team-Avantgarde-Alben und stehe im Namen des Teams für alles oder nichts. Da wir selber nicht wissen, wo unser Album das nächste Mal in musikalischer Hinsicht hingeht, bleibt es für uns selber offen, was herauskommt. Wir wollen immer Neues und schaffen es, das irgendwie doch altbewährt klingen zu lassen.
R4F: Stichpunkt Namensgebung: Der Begriff Avantgarde ist ja in der Kunst ein ziemlich weitgespannter Begriff. Was habt ihr beispielsweise mit Surrealisten oder Dadaisten gemeinsam?
Phase: Eigentlich nichts, der Name kam vor ca. 15 Jahren beim Freestylen zustande, ein guter Kumpel von uns spielte immer mit so Jazz-angeliehenen Begriffen, ich hab dann irgendwann Team Avantgarde daraus gemacht, weil ich fand, dass wir immer ziemlich eigen waren und unser Sound sehr introvertiert ist.
Zenit: Ich weiß zwar nicht, warum du ausgerechnet den Dadaismus mitunter als Beispiel genannt hast, aber in persönlicher Hinsicht würde ich doch sagen, dass ich mich dem Dadaismus sehr hingezogen fühle. Der Kunstform an sich auch, aber primär was meine Persönlichkeitsstruktur und meine Art zu denken betrifft. Ich liebe das Einfache, welches durch Komplexität entstanden ist und andersrum. Dieses offensichtlich Unoffensichtliche oder unoffensichtlich Offensichtliche. Die Spanne zwischen Arbeit und Wirkung. Dass nicht alles ist, wie es auf den ersten Blick wirkt.
R4F: Euer neustes Album heißt "Paradox", was hat es mit dem Namen auf sich?
Phase: Ich habe die Leidenschaft, mit mächtigen Wörtern zu spielen, unser letztes Album hieß ja auch "Absolut", das wollte ich nochmal toppen. Für mich ist "Paradox" ein sehr mächtiges Wort hinter dem sehr vieles Platz findet, besonders thematisch ist "Paradox" sehr ausreizbar. Bevor wir mit dem Album begonnen haben, stand schon der Titel fest, deswegen auch das verrückte Intro!
Zenit: Der Name ist schlicht und einfach Programm. Das Wort hat, wie unsere Musik, Kraft und Druck und eine ungemeine Anziehungskraft, die auch nicht so ohne Weiteres zu erklären ist. Das ganze Leben ist durch paradoxe Zustände gezeichnet. Allein schon solch oberflächlich betrachtete Konstellationen wie der Unterschied zwischen dem, was man macht und dem, was man denkt. |
R4F: Was einem ja sofort ins Auge sticht, ist das geniale Cover. Von wem wurde es designt?
Das hat ein Kumpel von uns gemacht, der Gamesdesigner bei EA Sports ist. Das Cover war uns auch extrem wichtig, es sollte das "Paradoxe" in uns widerspiegeln. Die Masken und Gesichter, die einzelnen Emotionen der Songs. Das verrückte im und am Leben, eben das PARADOXE!
R4F: Die Kritiken und Stimmen zum Album scheinen überwiegend positiv zu sein, habt ihr damit gerechnet?
Zenit: Um ehrlich zu sein finde ich es verdient. Es geht mir da nicht entfernt darum, wie viel Arbeit oder so gern propagierte Liebe in diesem Album steckt, es ist einfach der Fakt, dass wir Qualität abgeliefert haben. Ich habe prinzipiell eine schlechte Rezension lieber als eine mittelmäßige, da ich mir zumindest einbilden kann, der Kritiker konnte damit geschmacklich nichts anfangen. Dieses Album ist auch lediglich auf dieser Ebene schlecht zu finden. Am Ende ist aber selbst eine sehr positive Kritik nicht mehr als eine Einschätzung eines Individuums, was uns nicht davon abhält, geschmeichelt zu sein, denn dazu sind wir doch zu vernarrt in die bestmögliche Umsetzung unserer Musik und schotten uns dann ein in einen Kosmos, in dem jeder Stern seinen richtigen Platz haben sollte.
Phase: Naja, ich denke, dass wir beide schon sehr stark an unserem Sound arbeiten und das seit so vielen Jahren. Ich meine, wir sind keine famegeilen Typen und Erfolg in dem Sinne ist uns auch nicht so extrem wichtig. Das, was uns wirklich wichtig ist, ist eben der Sound und die Entwicklung und ich glaube, das hören die Leute eben auch. Die merken, dass da zwei Typen sind, denen es wichtig ist, Musik weiterzutreiben und nicht ihre Egos. Dazu kommt, dass ich denke, dass die Leute merken, wie gut wir als Team funktionieren. Wir machen schnelle, langsame, traurige, leichte, digitale, organische Tracks und nichts davon wirkt belanglos oder unausgereift. Man kann unsere Musik mögen oder scheiße finden, aber ich glaube, schlecht ist sie einfach nicht. Geschmack ist dann wieder was anderes!
R4F: Was mir besonders gut gefällt ist, dass "Paradox" wie aus einem Guss klingt. War das absichtlich oder ist das im Laufe der Aufnahmen zufällig entstanden?
Phase: Nee, wir wollten, dass es eben leicht wirkt, das heißt nicht belanglos, sondern eher, dass der Hörer schwere Momente als leicht zugänglich empfindet. Ich finde, wenn man das Album hört, denkt man sofort, "schon vorbei?"... Und genau das ist das Geheimnis. Es wirkt leicht und deswegen ist es auch so schnell vorbei. Man wird von einer Stimmung in die nächste getragen und dann ist es auch schon vorbei. Und man drückt wieder auf Play.
Zenit: Dass es wie aus einem Guss klingt, liegt einfach daran, dass wir es sind, die diese Musik machen. Ich meine, wenn zwei genau das gleiche Instrument spielen, kann es ja trotzdem völlig verschieden klingen. Wir haben anscheinend eine Technik entwickelt, die uns schon zum Teil unbewusst steuert und wir deswegen irgendwie eine Linie reinkriegen, obwohl wir es schon sehr abwechslungsreich gestalten.
R4F: Die meisten eurer Tracks haben eine eher depressive Grundstimmung, und trotzdem kann man immer wieder einen Hauch von Hoffnung heraushören. Wie erklärt ihr euch das?
Phase: Ich denke es liegt daran, dass viele der gefühlvollen Lieder wie z.B. "Fertig!", "Ich will dich mit niemandem teilen" oder "30m²" eine Art Kampf gegen mich selber sind. Das heißt, ich versuche, mich in dem Lied gegen etwas zu wehren. Oder meine Hoffnungslosigkeit zu bekämpfen. Man erkennt diese Ambivalenz in vielen unserer Lieder, nimm z.B. "Viel zu jung".
Der Chorus bricht all die Hoffnungslosigkeit wieder auf. Das ist ein Style von T.A. und wie ich versuche Themen anzugehen!
Zenit: Das Wort "eher" trifft es schon ganz gut. Ich mag es eigentlich gar nicht, so als die verkappten, melancholievernarrten Deprimusiker bezeichnet zu werden, die nur in ihrem Kellerloch hausen und nur zum Essen oder zum Einsaugen von Inspiration aus dem Haus gehen. Auch wenn es die meisten wahrscheinlich nicht so meinen, aber irgendwie wirkt es oft so. Wir sind voller Hoffnung, was das Leben angeht. Wo wir, oder zumindest ich, die Hoffnung aufgegeben haben, dass Geschäfte wirklich nicht auf objektiven Einschätzungen bestehen, sondern einzig und allein, wie doll man seinem Gegenüber den Grinsepeter mimen kann. Und da ist bei weitem, ich betone, bei weitem, nicht nur die oder sogar unsere Musik gemeint.
R4F: Gibt es im Nachhinein Dinge, die ihr beim Album anders machen würdet oder seid ihr mit dem Endprodukt absolut zufrieden?
Phase: Gute Frage! Absolut zufrieden ist man nie, das wäre auch schlimm, es muss immer wieder etwas geben, was man verbessern will oder muss. Das ist auch eine Art Antrieb, wie es Zenit im Klappentext gesagt hat, das ist ein weiterer Schritt auf der Treppe von T.A. und wir haben noch viele vor uns. Da ich Musik als einen ständigen Prozess sehe, gibt es nie ein perfektes Endergebnis.
Zenit: Dem brauch ich nichts hinzuzufügen.
R4F: Euer neustes Projekt ist mit dem Namen "NPS" betitelt. Auf eurer Homepage schreibt ihr, dass dies in eine komplett andere Richtung gehen wird als das Team-Avantgarde-Projekt. Es soll eine Art Psychedelic-Mixtape werden, auf dem eure derzeitigen Lieblingsrapper gefeaturt sein werden. Jeder darf rappen, auf was er gerade Lust hat, also gibt es keinen wirklichen roten Faden. Das klingt ja alles recht interessant, könnt ihr uns mehr dazu sagen?
Phase: Klar, wir beide feiern diesen 60er-, 70er-Jahre Progressive-/ Psychedelic-Shit und wollten schon immer was in die Richtung machen. Etwas, das freier ist und nicht so an Lied-Metriken gebunden ist. Das heißt, jeder Rapper kann einen 16er machen, und Zenit baut das dann neu zusammen, passt den Sound an, etc. Es wird sehr verspielt und frisch werden. Es hat eben keine richtigen Themen, wir machen 60 Minuten lang, worauf wir Lust haben, geile Raps und geile Sounds! Ich habe gerade heute den Part von Audio88 bekommen und der wird auf jeden Fall Epos! Ich hoffe, dass Justus noch ein paar Parts macht. Ansonsten: Lasst euch überraschen oder kommt bei Facebook etc. in die "NPS"-Gruppe.
Da können auch Vorschläge für Rapper abgegeben werden!
R4F: Was bedeutet "NPS" eigentlich?
Phase: NEO-PSYCHEDELIC-SHIT
R4F: Wie bereits erwähnt, werden eure Lieblingsrapper auf dem Album zu hören sein. Mit wem darf man denn rechnen?
Phase: Leute wie JAW, Absztrakkt, Justus, Meyah Don, Amewu, Audio88, Vokalmatador wären Rapper, die wir uns darauf vorstellen könnten. Auch noch einige mehr, ist aber eben noch alles in der Mache.
R4F: Wenn ja, warum habt ihr euch für diese Features entschieden?
Phase: Naja, ich denke es muss eben passen. Zu der Soundidee und zu dem, was das Ding dann am Ende werden soll. Es bringt ja nichts, wenn ein Rapper da irgendwie verloren oder fehl am Platz wirkt. Es soll auch eine gewisse Roughness haben, das ist uns dabei auch wichtig. Also lieber Battlerapper statt Storyteller.
Zenit: Auf jeden Fall müssen es welche sein, die wir musikalisch schätzen und die auch einen gewissen Unterhaltunswert mitbringen, da Musik sowas zwangsläufig dem Hörer bringen muss.
R4F: Wenn nein, warum möchtet ihr noch keine Namen bekannt geben? Einfach um die Spannung aufrecht zu erhalten oder weil die meisten Features noch in den Sternen stehen?
Zenit: Beides. Vor allem jetzt schon die endgültige Antwort darauf zu geben, wer vertreten sein wird, liegt ja nicht ausnahmslos in unserer Macht. Zeit und Motivation ist ein Paar, welches allein und zu zweit sehr viel Macht entwickeln kann.
R4F: Bis wann darf man denn mit dem Erscheinen von "NPS" rechnen?
Phase:Wir sind fleißig dabei, ich würde das Ding gerne auf Platte rausbringen. Mal sehen, ob es dieses Jahr noch klappt. Ich könnte mir auch mehrere Teile vorstellen, aber das ist noch ein Traum.
R4F: Mit welchen Projekten von euch darf man neben "NPS" noch in der nächsten Zeit rechnen?
Phase: Ich arbeite an meinem Soloalbum, von dem ich auch schon ganz gut was fertig habe. Es wird sehr persönlich und hell, aber trotzdem mit einer Brise Schwermut. Das nächste T.A. ist geplant, aber die Arbeiten daran beginnen erst in einem oder zwei Jahren. T.A. braucht immer eine gewisse Zeit und ich glaube Zenit und ich brauchen diese Zeit auch. "NPS" ist gerade perfekt! Wenig Druck, viel Spaß!
Zenit: Ja, defintiv muss jetzt erstmal Zeit ins Land ziehen, um sich für die nächsten Sachen zu formieren.
R4F: Gehen wir zu euren musikalischen Anfängen zurück: Die Vorreiter von Team Avantgarde waren die Cryptonasen. Was hatte es damit auf sich?
Phase: Cryptonasen gibt es schon ewig. Bei der Gruppe war noch der Kontrabassist Nesin Howjannesian dabei und wir haben damals viel mit Kontrabass etc. experimentiert. Die Gruppe war sehr introvertiert, der Sound und die Texte waren kryptisch, deswegen hat Cryptonasen perfekt gepasst. Auch wegen unseren krassen Nasen. Nesin, Zenit und ich haben ganz schöne Zinken. Wir planen aber für das nächste Team-Avantgarde-Album, Nesin wieder ins Boot zu holen und dass das aufgehen wird, sieht recht gut aus!
Zenit: [Lacht] Trotzdem sind wir alle aber wahnsinnig attraktiv, trotz unserer widernatürlich gewachsenen Nasen. Vielleicht betraf das Kryptische auch unsere uneingeschränkte Schönheit, welche trotz natürlicher Strafen nicht geschmälert werden konnte. Ach, im Ernst, Cryptonasen sind einfach der Anfang von allem. Ich bin etwa erst nach zwei Jahren Cryptonasen-Existenz zur Gruppe gestoßen. Obwohl man die Existenzdauer nur auf den Namen beziehen darf, da Nesin und Phase schon länger musikalisch aktiv waren.
R4F: Gab es irgendwelche Künstler, die eure Musik besonders beeinflusst haben?
Phase: Klar, etliche. Das geht von Jazzmusikern bis psychedelischem Sound über Rap. Man wird doch ständig inspiriert, es kommt eben darauf an, was man daraus macht und wie man es umsetzt. Das ist ja das Interessante an einer Band. Mein Professor sagte immer: "Die Stärke eines Architekten erkennt man daran, wie er sich aus kleinsten Dingen in seinem Umfeld oder seiner Umgebung inspirieren lässt". Und genauso ist das bei Musikern. Ein Wort, ein Satz, eine Art der Betonung kann den nächste Track ausmachen.
Zenit: Es gibt wirklich unendlich viel. Ich werde sehr von elektronischer Musik beeinflusst, aber selbst Filme können einen in ihrer Stimmung inspirieren. Aber wie Phase gesagt hat, sind es auch sehr stark die alten Psychedelic- und Progressive-Rock-Sachen, die uns viel gebracht haben.
R4F: Wie darf man sich bei euch den Arbeitsablauf vorstellen?
Zenit: Sehr, sehr oft ist es schon so, dass Phase auf irgendeinen Beat von anderen rappt, der ihm ganz gut gefällt, und ich das dann quasi remixe. Ehrlich gesagt liebe ich mittlerweile diesen Stil. Das ist viel motivierender für mich, schon was zu haben, worauf ich aufbauen kann. Und welchen Fakt man nicht vernachlässigen darf, dass so die Chance bedeutend höher ist, auch mal was nicht nur für die Schublade zu machen.
R4F: Inwiefern seid ihr mit dem Jahr 2010 musikalisch zufrieden? Was sind eure persönlichen Highlights und eure Enttäuschungen?
Phase: 2010 war bis jetzt super. Unser Album, dann "NPS". Auch habe ich bereits viele Lieder für das Soloalbum geschrieben. Ich bin sehr zufrieden. Jetzt kommt bald noch ein neues Edit-Posse-Video und die Edit-Tour wird auch bald stattfinden.
Zenit: Ich bin mit unserem letzten Album auch höchst zufrieden, aber es ist für mich auch abgehakt. Jetzt wird wieder kreative Energie gesammelt, um sich dann konzentriert an die nächsten Veröffentlichungen zu machen. Außer natürlich "NPS", welches ein reines Spaßalbum werden soll. Was aber nicht heißt, dass wir es nur so hinklatschen wollen. Wenn ich andere erwähnen darf, dann ist es die musikalische Bekanntschaft mit Richard Skelton und allen seinen Synonymen, unter denen er was veröffentlicht hat. |  |
R4F: Gibt es noch die ein oder anderen Releases, auf die ihr euch in diesem Jahr freut?
Phase: Also, ich freu mich natürlich sehr auf Zenits Soloalbum und dann hoffe ich auch auf was Neues von Absztrakkt. Auch ein neues Amewu-Album wäre was Feines.
Zenit: Ich bin auf die Edit-Veröffentlichungen gespannt und ansonsten lass ich mich da gerne überraschen, was so in jeglichen Genres erscheint, ohne dass ich vorher was davon ahne.
R4F: Das Wetter wird wieder besser und es scheint endlich Sommer zu werden. Sommer bedeutet gleichzeitig Festivals. Ende Juli steht wieder einmal das Splash-Festival an. Was sagt ihr zum diesjährigen Splash-Lineup?
Phase: Puh, habe ich noch nicht wirklich verfolgt! Das interessiert mich auch nicht so, um ehrlich zu sein. Ich freu mich aber, dass Amewu und Chefket, zwei unserer Edit-Jungs, dabei sein und bestimmt mächtig aufdrehen werden.
Zenit: Ich finde es auch sehr cool, dass Amewu und Chefket dabei sind.
R4F: Werdet ihr auch vor Ort sein?
Phase: Ich weiß nicht, ich hatte überlegt, vielleicht mitzufahren, aber das weiß ich noch nicht genau. Zenit und ich waren noch nie da.
R4F: Wie schaut es denn insgesamt mit Auftritten bei euch aus? Steht ihr gerne auf der Bühne?
Phase: Am 12.6. sind wir in der Karakas-Bar in Berlin zu sehen. Auch Amewu, Gris, Meyah Don etc. werden auftreten. Dann hoffe ich, dass die Edit-Tour dieses Jahr noch läuft. Auf eine Team-Avantgarde-Tour alleine hätte ich keine große Lust, mit den ganzen Jungs von Edit wäre das bestimmt eine hammer Reise!
Zenit: Ich finde eine Tour auch gerade für mich etwas sinnlos, den Laptop-Frickler zu spielen oder in DJ-Taucher-Manier vor den Mks zu hüpfen und so zu tun, als wäre mir das Hirn rausgesch... Na, ihr wisst schon.
R4F: Ein leidiges Thema sind immer wieder die illegalen Downloads. Besonders für euch als kleine Künstler ist das ja immer ein großes Problem. Wie steht ihr zu der ganzen Problematik? Macht ihr euch einen großen Kopf darum oder ignoriert ihr die Thematik mittlerweile?
Phase: Ach, wir haben bei Edit realistische Einschätzungen und deswegen kann uns die Realität nicht ficken. Wir haben mit "Paradox" wieder Geld reingeholt und gut verkauft und das reicht! Wir greifen eben nicht nach den Sternen, das ist der Trick. Wir wissen, dass etliche Leute downloaden, aber was soll man dagegen machen?! Ich denke, Edit macht so schöne Alben, die von der Musik bis hin zum Artwork Bombe sind, und wer die Alben nicht im Schrank stehen haben will, um sie manchmal rauszuholen, ist selber schuld! MP3s sind sowieso viel zu kurzlebig. Man sollte sich lieber solche Releases in limitierter Stückzahl, wie es sie bei Edit gibt, holen. Wie viele jammern mich heute wegen alten Alben von uns voll, weil es die nicht mehr gibt.
Zenit: Jeder zieht sich Alben, das ist klar, aber erschreckend und fast auch schon erbärmlich ist, wenn sich die Leute nur noch Alben ziehen und nicht mal mehr auf die Idee kommen, sich eines zu kaufen, selbst wenn sie es feiern. Ich mein, wie kann man so anspruchslos sein und nicht dieses Produkt als Ganzes haben wollen. Da braucht man auch nicht mit so einem Schrott wie "Mir geht es ja nur um die Musik" zu kommen. Ich meine, dann können die Leute auch zwei Stunden durch das Kaufhaus laufen und die Hintergrundmusik genießen. Oft liest man ja auch was davon, dass die Musikindustrie daran Schuld ist, ähh, hallo? Wenn die Leute sich nunmal nur ziehen, dann bringt nunmal einfach der Verkauf nichts mehr als Prestige.
R4F: Die Fußballweltmeisterschaft regiert ab Freitag wieder Deutschland. Freut ihr euch schon darauf oder habt ihr nicht viel übrig für Fußball?
Phase: Jaa! Ich freu mich riesig. Ich bin ein Riesen-Fußball-Fan. Ich habe auch selber 15 Jahre gespielt und heute immer noch auf kleinen Courts! Ich freue mich auf Deutschland und bin für Zenit traurig, dass Polen nicht dabei ist. Aber dann wird er eben mehr für Deutschland sein, auch gut, hahaha.
Zenit: Also, die Zeiten meines Fussball-Fanatismus sind lange vorbei, aber wer eine Fussball-WM ignoriert, muss wirklich eine schreckliche Kindheit gehabt haben. Was Polen betrifft, kann ich nicht leugnen, nachts oft schweißgebadet aufgestanden zu sein und gehofft zu haben, dass das alles nur ein Albtraum ist. Nun gut, dann werde ich Deutschland die Daumen drücken und damit meine Akzeptanz in der Gesellschaft erhöhen. Im Ernst, eine Fussball-WM ist immer was Schönes.
R4F: Wenn ja, wie sind eure Prognosen? Gelingt Deutschland trotz des Ausfalls von Michael Ballack der ganz große Coup oder wer sind eure Favoriten?
Phase: Klar, wir haben eine starke Mannschaft und ich halte Khedira auch für sehr stark. Er hat eine Wahnsinns-Übersicht, spielt einen wunderbar tödlichen Pass und ist offensiv stark. Einziges Manko: Ballack ist kopfballstärker, aber auch das läuft schon. Ich meine, wir haben technisch sehr gute Spieler, wie z.B. Marin, Özil, Schweinsteiger, Müller, etc. Das läuft, da bin ich mir sicher. Dieses Rumgemecker der Deutschen vor der WM ist normal, auch das machen sie immer! Die werden sich aber noch wundern! Ich denke, Halbfinale ist mit ein wenig Glück drin! Favoriten sind natürlich Spanien und Argentinien. Argentinien wird's wahrscheinlich machen!
Zenit: Schön, wie ausführlich wir hier über Fußball reden. Ich geh mir mal was zu trinken holen.
R4F: Wir kommen dann auch schon wieder zum Ende des Interviews. Vielleicht könntet ihr zum Schluss eure fünf absoluten Lieblingsalben aufzählen, die euch auf eurem musikalischem Weg besonders geprägt haben mit einer kurzen Begründung. Es müssen nicht nur Alben aus der HipHop-Welt sein.
Phase: 1. Slick Rick - The Ruler's Back
Von der Stimmung und den Raps unerreicht, ein großartiges Album, das eine Zeit meines Lebens sehr geprägt hat.
2. Soul Of Mischief - 93 Till Infinity
Mit dem Album hab ich das erste Mal gemerkt, um was es eigentlich geht: PATTERNS! Geile Rhythmiken und freshe Flows und ich habe wie irre gefreestylt von morgens bis abends!
3. The Smiths – Strangeways, Here We Come
Weil mich das so an meinen Bruder und mich in meiner Jugend erinnert und an die schönsten Jahre meines Lebens. WUNDERBARE JAHRE.
4. Chet Baker - Sings it could happened to you
Seine Stimme und die Art, wie er singt, ist für mich eines der schönsten Musikerlebnisse, die es gibt. Ich höre es sehr oft beim Spazierengehen, es beruhigt mich sehr. Ich denke, es gibt kaum Menschen, die Traurigkeit so schön tragen konnten wie er. Er ist mein Held und ich bin so traurig, dass ich ihn nie live gesehen habe.
5. Beatles – Sgt. Pepper
Einfach eines der größten Alben jemals. Ich meine, hör dir das Album mal auf Kopfhörern an, was da alles kanalmässig passiert, das ist der Wahnsinn! Jedes Lied ist eine Bombe und die Soundästhetik! Ich könnte nur schwärmen, obwohl ich eigentlich ein Stones-Fan bin. Aber an dem Album und "Revolver" kommt man nicht vorbei, ganz groß!
Zenit: Ich mag diese Frage, aber ich hasse sie auch, da ich mich spätestens fünf Minuten, nachdem ich alle genannt habe, immer anders entscheiden würde. Ich finde es auch so schwer, einzelne Alben zu nennen, da ich ich oft das Gesamtkunstwerk eines Künstlers oder einer Gruppe schätze. Ich fang dann mal trotzdem an:
 | 1. C.A. Quintet – Trip Thru Hell
Ein Knüppel von einem Psychedelic-Album. Kennt wahrscheinlich mitterlweile jeder Platten- und Sounddigger. Diese Orgeln und diese ultra-organischen Bässe. Das ist wie eine ganz dicke, sahnige, süße Sauce an Sound, wo alles miteinander veschmolzen ist.
2. Murcof – Martes
Superb, wie Murcof hier synthetische, perkussive Elemente mit Sampleschnipseln aus klassicher Musik verbindet und das alles zu einem unendlich dichten Soundgeflecht verbindet. Extrem detailverliebt, ohne sich auch nur ansatzweise damit anzubiedern. Vom Sound her auch absolut State of the Art. Man kann die CD einlegen und sich einfach in den Sog ziehen lassen. Ein großartiges Minimal-/ IDM-Werk!
3. Real Live – The Turnaround
Ich glaube, ich finde eigentlich viele HipHop-Alben besser als dieses, aber dann auch wieder nicht. Jedes Lied wurde auf orchestralen Filmmusik Streichern aufgebaut, oder so gut wie jedes, aber trotzdem liebe ich es. Diese New Yorker Mittneinziger-Roughness, die dort im Paradebeispiel zelebriert wird, übt einen unfassbaren Reiz auf mich aus. Und diese atmosphärischen Vocal-Scratches, wo man merkt, mehr braucht ein Refrain nicht. Es reißt mich sehr mit und Erinnerungen stecken da auch drin.
4. Max Richter – Songs From Before
Alle seine Alben sind großartig, aber dieses ist für mich das Beste. Moderne Klassik verbunden mit elektronischen Elementen, wie es nicht besser geht. Ende der Durchsage.
5. Hamton Hawes – High In The Sky
Ich würde eigentlich gerne unzählige Alben aufzählen, aber ich habe mich jetzt einfach für dieses entschieden. Es sind klar die 70er rauszuhören, aber ich liebe an diesem Album die Struktur der einzelnen Lieder. Sie haben schon sowas Modernes, leicht Zugängliches.
R4F: Wir danken für das Interview und wünschen euch natürlich viel Erfolg mit euren weiteren Projekten. Die letzten Worte gehören euch.
Phase: Danke euch! Ich sage allen, die gerne Musik hören und sie lieben, hört euch Sachen nicht nur zwei- bis dreimal an und nehmt dann was Neues auf den Player, sondern hört euch Alben öfter an. Manchmal braucht es Zeit, die Klasse eines Albums zu erkennen. Die Alben, die sofort ins Ohr gehen, müssen nicht die besten sein und haben meistens nicht so eine lange Halbwertszeit. Gebt Musik mal wieder mehr Zeit und macht bestimmte Alben auch zum Teil eures Lebens, damit sich Erinnerungen manifestieren, dann habt ihr immer was davon...Ach, und: Guckt unsere Videos!
Zenit: Hört Musik bewusster! |
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