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Adventskalender 2008

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Grip Grand
Link: http://www.myspace.com/gripgrand
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Video: Nicht Vorhanden
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Interview
R4F: Hi, wie gehts dir? Und erstmal danke, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.

Mir gehts blendend! Das Vergnügen ist ganz meinerseits.

R4F: Für alle, die zu faul sind, deine Bio zu lesen: Was ist die wichtigste Tatsache über dich als Artist?

Jede noch so kleine Info über mich ist, da gibt es keinen Zweifel, enorm wichtig. Trotzdem ist meine Biographie ein Haufen boshafter Lügen und Verleumdung, geschrieben von einem Geisteskranken oder Häftling, geplant als Teil eines vom Staat geplanten Programms. Ungeachtet dessen ist die Tatsache am wichtigsten, dass ich meine eigenen Beats mache - das macht mich zu einem Bewerber auf den ehrenwerten Diamond D-"Best-Producer-On-The-Mic"-Titel.

R4F: Auch wenn es eine oft gestellte Frage ist: wofür steht dein Name?

Weißt du was? Die wahre Antwort auf diese Frage ist so langweilig banal, dass ich einfach etwas weitaus Interessanteres erfinden werde. Also: 1989, als ich beim Hören einer abgenutzten Kassette von Public Enemy's "It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back" eingeschlafen war, hatte ich einen Traum. Afrika Bambaata hing, hoch oben an einem Berghang, von einer Klippe und hielt einen Meißel in seiner Hand. Hart arbeitend meißelte er eine Reihe von Gesichtern in den Fels, jedes von der Größe eines sechsstöckigen Gebäudes. Durch den hochgewirbelten Staub erkannte ich die Gesichter kaum. Doch als sich die Wolken lichteten, gewährte ein Lichtstrahl den Blick auf ein großartiges Szenario, einen Mount Rushmore des Raps. Dort, gemeißelt in Stein, waren die Gründungsväter des HipHop: Big Daddy Kane, KRS-One, Rakim, Slick Rick, Melle Mel, Run-D.M.C. .... und es waren noch viele mehr, zu viele, um sie aufzuzählen - es war eine sehr voll gestopfte Felswand. Doch weit unten am Fuß des Bergs befand sich ein Gesicht, das ich noch nie zuvor gesehen hatte.
Ich rief zu dem Mann, der weit oben baumelte: "Wessen Gesicht ist das?" "Das ist Grip Grand." "Grip Grand?", fragte ich. "Noch nie gehört. Was macht er auf deinem Berg?" "Welcher Berg? Du blickst in einen Spiegel!" Dann wachte ich auf.

R4F: I habe gelesen, dass du viel an der Westcoast hin- und hergezogen bist. Wo lebst du denn im Moment?

Das ist korrekt, ich war überall, von der Metropole bis zur Kleinstadt. Im Moment wohne ich in Orange County, südlich von Los Angeles. Doch meine Crew, die Mighty Rec-League All Stars, sind alle in San Francisco, weswegen ich für Aufnahmen dorthin fahre.

R4F: Wo lebt es sich am besten?

Auf die Gefahr hin, die Südkalifornier zu kränken, ziehe ich doch die Bay Area vor. Nicht so heiß. Nicht so viel plastische Chirurgie.

R4F: Stell dir vor, du wärst geboren und aufgewachsen in... sagen wir, Atlanta. Wie würde sich deine Musik anhören; genau gleich oder anders?

Ich stell mir gerne Dinge vor... Ok, ich denke, meine Musik wär ungefähr die gleiche, mit ein wenig mehr südlichen Einflüssen. Ich bin zwar in Cali aufgewachsen, aber ich würde meinen Style nicht speziell "West Coast" nennen, wir haben früher immer HipHop von überall gehört... Wenn überhaupt war mein Haupteinfluss der klassische East Coast Rap, denn das war damals nun mal beherrschend. Doch wir haben ebenso Sir Mix-A-Lot, N.W.A., die Geto Boys oder die 2 Live Crew gehört. Ich denke, Typen in meinem Alter aus dem Süden standen unter einem ebenso breiten Einfluss. Wenn ich in Atlanta aufgewachsen wäre, würde ich wahrscheinlich (hoffentlich) ein wenig so klingen wie Outkast oder Ludacris... aber nicht wie, sagen wir mal, Crime Mob.

R4F: Was hat dich zu dem Artist gemacht, der du jetzt bist? Wieso nicht Hyphy oder etwas ganz anderes?

Hyphy war damals, als ich angefangen habe, gar keine Option für mich. Es hat gar nicht existiert. Die Szene, aus der es sich entwickelt hat, war damals noch ganz anders - klassischer Bay-Shit, der diese soulvolle Ausstattung hatte, die man auf Alben wie The Click's "Game Related" oder Too $hort's "Get In Where You Fit In" (beides dope Alben) findet. Das aktuelle Zeug ist viiiieeeel mehr auf Synthies gebaut. Doch auch das ist nichts Neues, das hat seine Wurzeln in Musik wie Planet Rock oder Miami Bass. Aber mich hat es zu keinem dieser Styles hingezogen, denn meine Lieblingsalben zu dieser Zeit waren hauptsächlich East Coast Releases wie EPMD, Gang Starr und das ganze Native Tongue Zeug... so wollte ich schon immer klingen und das sind auch diejenigen, denen ich nacheifere.

R4F: Wo wir schon dabei sind, was hältst du denn vom Hyphy Movement?

Ich bin wahrscheinlich nicht die perfekte Person, um über dieses Hyphy-Ding zu urteilen. Ich habe damit keine Erfahrung aus erster Hand... "You won't find me in my scraper doing donuts in the sideshow". Aber es macht mir genauso wie jedem anderen Spaß, bei gewisser Musik einfach mal das Hirn auszuschalten - und genau deshalb brauchen wir auch solche Musik, bei der man mal unbekümmert abgehen kann. Trotzdem ziehe ich es vor, in meinen eigenen Songs mehr Verse zu haben als Ruf-und-Antwort-Parts. Einige der Tracks, die ich heutzutage so zu hören bekomme (nicht nur Hyphy) bestehen nur noch aus der Hook, keine Lyrics. Das ist für den Club in Ordnung, aber ich bin nicht andauernd im Club. Ich will euch rhymen hören.

R4F: Wie ist dein Signing bei Look Records zustande gekommen?

Ich habe mein erstes Album (Welcome To Broakland, 2002) auf Bomb Hip-Hop Records, mithilfe von Dave Paul, veröffentlicht. Am Tag, als ich zu den Büros von Bomb ging, um die Verträge zu unterschreiben, kam auch ein gewisser Kerl namens DJ Design (DJ und Producer der Foreign Legion) vorbei. Dave gab ihm eine Kopie meiner bis dahin einzigen Scheibe ("Pro-Gress", eine selbstgepresste 12', ungefähr aus dem Jahr 1999), wir gaben uns die Hand, und das wars. Ich ging nach Hause, mein erstes Album kam raus, viele Tage vergingen. In der Zwischenzeit hatte Dave DJ Design eine Kopie von "Welcome To Broakland" gegeben, und Design hat sie sich (mehrmals) angehört. Ich denke mal, er war beeindruckt, denn er kam auf mich zu und bot mit ein Projekt auf seinem neuen Label, Look Records, an. Genau dann fiel uns auf, dass wir uns schon einige Jahre zuvor getroffen hatten, in Dave's Büro. Und Design hatte immer noch die "Pro-Gress" 12', die, ganz am Rande, heutzutage sehr selten ist, denn sie war auf 300 Kopien limitiert.

R4F: Du hast eben "Brokelore" veröffentlicht. Wie erfolgreich war es bis jetzt?

Nun, das kommt ganz darauf an, wie du Erfolg misst. Wenn es bedeutet, dass ich meine Familie stolz gemacht habe, dass Fremde von überall auf der Welt mich auf Myspace anschreiben, um mir zu sagen, dass sie das Album lieben, und dass endlich mein Lebenstraum wahr wird und ich ein Interview mit Rap4Fame machen kann, dann ja, dann war "Brokelore" ein voller Erfolg - durch und durch. Wenn es aber heißt, dass ich viele CDs verkauft habe, viel Geld verdient habe und wirklich berühmt geworden bin, dann... Ich weiß nicht, wie ich diesen Satz beenden soll. Das Album hat sich mehr als ein mal verkauft, womit es sich (zumindest mathematisch gesehen) schon ganz gut auf seinem Weg zu Platin hält. Es ist schon 1/1000000 Platin. Aber das ist nur eine grobe Schätzung, ich weiß nicht genau, wieviel ich verkauft habe, ich hab die Zahlen nicht vor mir. Aber ich denke, ihr seht, worauf ich hinaus will. Denn: ich bin ein gefeierter Star, der in einer Villa aus gigantischen Diamanten lebt und ein Hovercraft fährt - und davon das genaue Gegenteil. Habt ihr mich nicht gesehen, als ich der Gastgeber von Jay-Z's und Beyoncé's Hochzeit war, die auf meiner vergoldeten Yacht, schwimmend in einem Meer aus den Tränen kleiner Waisenkindern, stattgefunden hat? "Damn, son, you must not be a high-roller."

R4F: Kannst du uns etwas über den Festplattencrash bei Look Records im Jahr 2007 erzählen? Was genau ist damals passiert?

Ja, das war eine schlechte Situation. Ich habe meine Demos zuhause aufgenommen und bin dann zu den Look Studios in San Francisco gegangen, um sie in ProTools, mit DJ Design, zu überarbeiten (denn das Programm benutze ich nicht zuhause). Auch die Vocals wurden nochmals durchgegangen und neu gemacht. Irgendwann war dann die Hauptfestplatte der Look Records Studios kaputt - und zwar richtig übel.
Ich war nicht anwesend und weiß nicht, was genau passiert ist, aber prinzipiell war mein gesamtes bis zu diesem Zeitpunkt aufgenommenes Album auf dieser defekten Platte, und die Platte war so kaputt, dass die Daten nicht wiederhergestellt werden konnten. Alle Aufnahmen und Multitracks waren weg. Zum Glück haben wir jeden Song, wenn wir mit ihm fertig waren, auf CD gebrannt, um ihn im Auto anhören zu können. Also hatten wir zumindest eine Version von jedem Song, um damit zu arbeiten. Aber es war kein zusätzliches Mixen, kein Wegnehmen oder Hinzufügen möglich, wir hatten keine Instrumentals, Acapellas oder Clean Versions, um diese zu veröffentlichen oder einen Remix zu machen. Auf der einen Seite natürlich ein schlimmer Verlust, auf der anderen natürlich aber Glück im Unglück, dass wir überhaupt noch etwas hatten. Auf dem Computer war noch das Zeug von vielen anderen Leuten, die eventuell sogar noch mehr zu leiden hatten als ich. Letztendlich musste ich die letzten Songs für mein Album alle zuhause aufnehmen, und kombiniert mit dem, was vom Crash übrig geblieben ist, wurde "Brokelore".

R4F: Inwiefern hat sich dieser Crash auf dein Album ausgewirkt?

Naja, es hätte vielleicht ein Instrumental-Album oder ein paar Remixe auf dem Album gegeben. Aber vor allem hat es mich dazu gebracht, den Sound meines Home-Studios zu verbessern, damit das Album nicht noch in einem anderen Studio gemastert hätte werden müssen.

R4F: Beim Design von "Brokelore" gibt es dieses Phantom mit GG-Schriftzug auf der Brust. Wieso gibt es nur ein Grip-Phantom, nicht den echten Grip, zu sehen?

Es erhöht das Geheimnis, und das gefällt mir. Außerdem denke ich, dass das Cover, welches von Ques gezeichnet wurde, visuell dazu beiträgt, die Welt zu verdeutlichen, die ich in meinen Songs beschreibe. Zudem gibt es genügend unschöne Fotos von mir im Internet, falls jemand daran interessiert wäre. Um genau zu sein, wurde dieses Cover-Design einem früheren vorgezogen, auf dem eine dichtgedrängte Anzahl meiner grinsenden Gesichter zu sehen ist, die alle ihren Daumen für die Kamera ausfahren. Auf der Rückseite wäre ich auf einem Einrad durch eine Wiese voller Gänseblümchen gefahren. Das war auch großartig. Doch schlussendlich denke ich, Ques hat sich für die richtige Version entschieden.

R4F: "Brokelore" ist schon dein zweites Album. Kannst du uns etwas mehr über "Welcome To Broakland", dein Debüt, erzählen? Was hat es mit dem Titel auf sich?

Mein erstes Album, "Welcome To Broakland" entstand aus einer Reihe von 4-Track Kassetten aus den Jahren 1998 bis 2001. Als ich genügend Songs hatte, um ein Album daraus zu machen, tat ich das. Ich schickte ein paar Demos mit ein paar Songs darauf an diverse Labels und Dave Paul von Bomb hat geantwortet und mir gesagt, er sei interessiert. I schickte ihm das ganze Album, und er entschied sich, es komplett wie es ist (abgesehen von einem Song und ein paar Interludes) zu veröffentlichen. Wir haben nichts überarbeitet. Er hat es gemastert, und fertig. Strictly basement style. So ist das Album entstanden. Was den Namen angeht... Ich bin über die Jahre immer umhergezogen - ich war in L.A., Oakland, und als das Album letztendlich rauskam, in Santa Cruz. Aber die Mehrheit dieser 4-Track-Kassetten ist in Oakland entstanden. Ich habe mich nebenzu mit einer Reihe von komischen, nicht zufriedenstellenden Day-Jobs abgeschunden, und dabei fühlte ich mich oft broke, brokedown und broken. Da kommt Broakland ins Spiel: Broke + Oakland = Broakland, nicht schwer nachzuvollziehen. Ich habe das Wort zuvor noch nie gesehen, auch wenn ich es seitdem anderswo gelesen habe. Sicherlich nur ein Zufall, da bin ich sicher. Übrigens, Broke + Folklore = Brokelore... bahnt sich da ein Trend an?

R4F: Es gibt einen Song auf deinem zweiten Album, der sich mit einer Review über das erste Album beschäftigt. Eine weitere Sache, die du uns näher ausführen musst...

Mein Album erhielt eine Review (Vielleicht sogar meine erste Online-Review, ich weiß es nicht mehr genau) auf einer bestimmten Seite, deren Namen ich jetzt nicht nennen werde, die es jedoch nicht mehr gibt. Der Redakteur hat mich zuerst angesprochen und nach einer Kopie zur Rezension gefragt. Also schickte ich ihm eine, um dann eine mittelmäßige Bewertung zu bekommen. Es war nicht unbedingt eine schreckliche Review, es war vielmehr in diesem "Diese Songs wären gut, wenn sie nicht so schlecht klingen würden"-Stil. Es wurde über die Sound Qualität und garantiert noch einige andere Sachen hergezogen. Der Song, auf den sich die Frage bezieht, "Love/Drama", ist eine Line-by-Line-Antwort auf diese Review, er richtet sich an jeden Kommentar, der in der Review abgegeben wurde. Es war alles nicht so ernst gemeint, wie z.B.: "Du sagst ich bin wack? Du hast mich erwischt. Ich bin so unglaublich wack... und da du alles darüber weißt, was einen großartigen MC ausmacht, musst du natürlich der beste MC von allen sein, oder etwa nicht?". Ich neige zum Sarkasmus, in meinen Lyrics als auch in meinem Leben. Im Übrigen sind meine Hiebe und Witze in dem Song nicht an Kritiker, Blogger, etc. im Allgemeinen adressiert. Einige Reviewer von "Brokelore" scheinen den Song persönlich zu nehmen. Jeder ist berechtigt, eine eigene Meinung zu haben, und das Internet ist zweifelsohne ein exzellenter Ort, um sie anderen mitzuteilen. Trotzdem denke ich, nur eine Meinung zu haben, qualifiziert dich nicht dazu, ein Kritiker zu sein. Kritisch sein und kritisch denken sind zwei verschiedene Dinge. Ich nehme Reviews ernster, wenn sie von einer seriösen Quelle stammen, die auch ein Mindestmaß an journalistischen Standards besitzt. Nichtsdestotrotz: auf jede Person, die etwas liebt, kommt eine, die es hasst. Und einer dritten ist es vollkommen egal - so ist das mit den Geschmäckern.

R4F: Gab es ähnlich Reviews zu "Brokelore"?

Nicht wirklich... diesmal gab es keine Beschwerden über die Sound-Qualität. Einige Leute verstehen nicht, wieso "Handle That" auf dem Album ist, und ich habe auch nicht erwartet, dass jeder den Parodie-Aspekt des Songs kapiert. Aber hauptsächlich hatte jeder, der sich die Mühe gemacht hat, über das Album etwas zu schreiben, viel Positives zu sagen, wobei die Reviews von "überdurchschnittlich" bis zu "erstaunlich" reichten. Es ist schon lustig, manchmal scheint es so, als müsste man aus Prinzip irgendwelche Fehler finden. "Die Raps sind dope, die Beats sind hot, aber..." Aber was?! Es ist nicht perfekt? Ok, ihr habt mich erwischt, es ist nicht perfekt - es ist Kunst.

R4F: Um mal einen weiteren Song des Albums zur Sprache zu bringen, was braucht es zu einem "Hip Hop Classic"?

Mann, wenn ich die Antwort dazu wüsste, wäre ich jetzt im Studio. Aber es gibt keine Formel... es kann der Beat sein, es könnte der Reim sein, es kann darauf ankommen, wo du warst, als den Song zum ersten Mal gehört hast. Es muss nicht aus einer bestimmten Zeit oder Region kommen - es gibt Klassiker von wo auch immer und wann auch immer. Und noch dazu ist das Ganze in höchstem Maße subjektiv. Für mich persönlich ist die Kombination aus gutem Beat und dopem Rhyme schon mal ein guter Anfang. Viele von den Songs, die ich erstmals auf der High School gehört habe, sind Klassiker - das ist die Kraft der Nostalgie.

R4F: Würdest du dich selbst als Vertreter des Backpack-Rap bezeichnen? Da schwingt ja immer ein leicht saurer Unterton mit...

Ich halte mich nicht für den Vertreter irgendeiner Bewegung. Ich versuche, Rap Songs zu machen, die wie jene Musik klingen, die ich mag und zu der ich selbst aufgewachsen bin, wovon ich nichts als Backpack Rap bezeichnen würde.
Ich bin nicht mal mehr sicher, was Backpack heutzutage bedeutet. In den frühren 90ern waren Backpacker einfach Typen, die einen bestimmten Modestil hatten und, z.B. Black Moon gehört haben (Ich denke, da habe ich auch dazugehört). Heutzutage scheint es eine Underground-Szene zu beschreiben, die aus unmerbittlichem Ciphering, True-School Ethik und Kids, die gerade so zu HipHop's Golden Age geboren wurden, besteht. Doch genau da bin ich aufgewachsen, und ich versuche nur, in meiner Musik das, was ich damals gelernt habe, zu verpacken. Ich mache es nicht, um meine Realness zu beweisen. Du wirst mich nicht dabei finden, wie ich vor einem Record-Store stehe und meine homemade Tapes aus meinem Rucksack verticke, oder wie ich bei Open-Mic-Nights freestyle. Auch wenn ich das wahrscheinlich tun sollte.

R4F: Auf dem Album gibt es Features von Percee P und A.G.. Wieso nicht, beispielsweise, Features aus dem Hieroglyphics Camp?

Nunja, A.G. hat sein Album für Look Records zur selben Zeit wie ich aufgenommen, und er war daran interessiert, auf dem "Poppin Rockets" Remix zu sein, nachdem er das Original gehört hatte. Er ist eine HipHop-Legende und außerdem ein Rapper, den ich immer bewundert habe, und eben mein Label-Kollege. So ist das zustande gekommen - und es war eine Ehre für mich, mit ihm zu arbeiten. Was Percee P angeht: Design hat sich wegen irgendwas mit ihm in Verbindung gesetzt (ich weiß nicht mehr was) und er rief mich an und fragte, wie es mir gefallen würde, Percee P als Feature auf meinem Fast-Rap-Track, "Paper Cup", zu haben. Ich war natürlich begeistert - eine weitere Legende, ebenfalls aus der Bronx und einer der ersten, die Fast-Rap praktiziert haben. Und er hat den Track gekillt... Also, warum nicht, zum Beispiel, die Hieroglyphics? ...Ich kenne sie nicht, ich habe sie nie getroffen, und sie haben mir auch kein Feature angeboten. Wenn sich je die Gelegenheit bieten würde, ich würde sie ergreifen. Die Features auf "Brokelore" waren vom Schicksal vorbestimmt... und davon, wen ich mit meinem mageren Einflussradius gerade so erreicht habe. Zum Glück sind die, die ich erreicht habe, Giganten. Ganz allgemein bin ich allerdings für jede Art von Zusammenarbeit zu haben. Ich habe einen Part auf einem Song mit One Be Lo und Zion, produziert von meinen Jungs Flip und Slick aus Irland. Außerdem werde ich dazu einen Remix machen. Wer immer also Talent hat, mit wem ich zurecht komme, mit dem arbeite ich auch.

R4F: Wirst du demnächst auf Tour gehen? Und werden die deutschen Fans dich je zu Gesicht bekommen?

Ich hoffe es. Das hat oberste Priorität für mich und Look Records hält die Möglichkeit einer Europa-Tour offen. Aber mit dem momentan schwachen Dollar und den limitierten Mitteln, die dem Label für Reisen zur Verfügung stehen, weiß ich nicht, wie das verlaufen wird. Also, alle Promoter, wenn ihr mir helfen könnt, ruft mich an, damit ich die Musik direkt zu den Leuten bringen kann. Mein Reisepass ist gültig. Meine Taschen sind gepackt. Ich warte darauf, dass ihr mir meine Tickets schickt.

R4F: Wieviel Rap-Music hörst du in deiner Freizeit? Wie sehr interessieren dich sämtliche Geschehnisse im Game?

Ich höre jeden Tag Rap und versuche, so viel wie möglich in mich aufzunehmen. Es gibt einigen guten HipHop da draußen, es ist nur schwer, ihn zu finden. Und die, die ihn praktizieren, bekommen dafür nicht die gebührende Anerkennung. Der populäre Rap hat einen Weg eingeschlagen, der mir nicht immer gefällt (zu viel Auto-Tune, zu wenig Lyrics), aber es gibt trotzdem einiges an so genannter Commercial Music, die gut ist. Kanye West zum Beispiel, haut immer noch Real HipHop auf seine Alben, direkt neben den Club Jams. Jay-Z genauso. Ganz ungeachtet des Genres oder des Styles liebe ich gute Musik und halte immer danach Ausschau. Bis zum heutigen Tag ist sie den Menschen noch nie ausgegangen (und wir machen schon seit Langem Musik).

R4F: Welche Alben aus dem Jahr 2008 hast du dir schon angehört? Welche sind empfehlenswert?

Das Jahr ist noch nicht mal halb vorbei, und wir wählen schon die Gewinner? Wenn ich dazu gezwungen wäre, würde ich ein kleines Album namens "Brokelore" empfehlen, ein herzzerreißendes Stück umwerfender Genialität.

R4F: Wenn man sich die Eastcoast und ihren lebhaften Underground ansieht, kann man ein Renaissance- oder "Take It Back"-Syndrom beobachten. Angebracht oder nicht?

Mir erscheint es so, als würde der New York Hip Hop, sozusagen die Grundlage der Rap-Musik, nie komplett verschwinden. Was sich ändert ist die Aufmerksamkeit, die er von der Außenwelt geschenkt bekommt. Diese ganzen Jungs ziehen ihr Ding schon seit Jahren durch, doch die Medien interessieren sich nur ab und zu für sie. Man kann nur hoffen, dass sich der allgemeine Geschmack wieder in Richtung des harten Zeugs ändert, damit die Medien das dann auch spielen. Es freut mich, wenn Typen wie Joell Ortiz, die für Straight Up HipHop stehen, auch etwas Aufmerksamkeit abbekommen. Die Wurzeln eines Baums müssen stark sein, damit dieser wachsen kann - und Eastcoast HipHop ist dieser Wurzelstock.

R4F: Ich habe gerade ein paar Lil Wayne-News gelesen, was mich auch zur nächsten Frage bringt: Gibt es einen "Best Rapper alive"?

Sehr kontroverses Thema, aber in einem meiner letzten Songs habe ich eine Line geschrieben, die meine Gedanken dazu recht gut zusammenfasst:
"How can you be the greatest rapper alive / When Rakim, KRS and G-Rap are alive?"
Ich meine, die ganzen Classic Cats, die die Styles, welche noch heute aktuell sind, erfunden haben, sind alle noch da - größtenteils zumindest. Und es gibt ungefähr 100 Leute, die sterben müssten, damit der Titel zu einem der jungen Rapper wandern könnte. Nichtsdestoweniger hat Lil Wayne ein paar verblüffende Bars. Ich hasse Songs wie "Lollipop", aber dann nimmt er sich Beats wie "Upgrade U" oder "Black Republican" und killt den Track... du kannst sein Talent nicht leugnen. Ich werde Tha Carter III kaufen. Teil 2 war dope.

R4F: Zurück zu dir und deiner Musik. Du bist ja auch ein Producer, du hast, um genau zu sein, sogar einen Großteil auf deinem Album selbst produziert. Was ist dir wichtiger, Producing oder Emceeing?

Das geht Hand in Hand, eines gehört zum anderen. Dass ich weiß, wie man rappt, verbessert meine Beats und umgekehrt genauso. Außerdem kenne ich Rapper, die selbst keine Beats machen und deshalb von Producern abhängig sind. Ich bin ein eigenständiges, unabhängiges Gesamtpaket.

R4F: Hast du schon für andere Artists produziert?

Ja, ich habe für Rec-League Kollegen wie Rob Rush und Q'M (a.k.a. Cumulus) produziert. Genau genommen habe ich das halbe Q'M Album, ("The Happy Hour"), produziert (oder sogar mehr). Und dann arbeite ich an dem One Be Lo und Zion Remix für DJ Flip. Außerdem habe ich für einige Independent Film-Projekte produziert, an der Vertonung mitgearbeitet und war auch in Sachen Rock / Jazz Songwriting aktiv... alles, was mir in die Finger gefallen ist eben.

R4F: Standard-Frage, aber wie wird deine Zukunft aussehen? Sind schon neue Releases geplant?

Natürlich, always more music. Haltet nach einem Grip Grand Mixtape im Herbst Ausschau, ebenso wie nach dem bald erscheinenden Scoviet Union Album mit dem wilden Richie Cunning. Außerdem habe ich noch einige andere Projekte am Start. Was ansteht, nachdem "Brokelore" es zu Vierfach-Diamant geschafft hat und das meistverkaufte Album aller Zeiten wird, das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Aber ich denke, ich werde mir irgendwo eine Insel kaufen, ein eigenes Raumschiff bauen und planen, den Mond zu kolonisieren.

R4F: Wenn du die Möglichkeit hättest, dich in irgendeine Zeit zu begeben, um dort als Rapper aktiv zu sein, wohin würde es dich ziehen? Die 90's, heute, oder etwas anderes?

Ich würde ins Jahr 1994 reisen, ein Album, produziert von Pete Rock, Large Professor, Premier, Q-Tip und L.E.S., aufnehmen, und es Illmatic nennen.

R4F: Was würde Grip Grand tun, wenn er kein Rapper wäre?

Ich würde sterben, wenn ich keine Musik machen könnte. Ich habe allerdings einen Bachelor-Abschluss in deutscher und russischer Literatur. Ich denke, ich könnte also schreiben oder unterrichten. Oder die Weltherrschaft an mich reißen. Eins von diesen Dingen.

R4F: Ein klein wenig Off-Topic: Was und wieviel trinkst du, wenn du am Wochenende die Sau rauslässt?

Ich neige dazu, zuhause zu trinken. Und wenn ich das tue, tendiere ich zu Mexican Beer, St. Pauli Girl oder Guinness (je nach Wetter...) - aber nur wenige Flaschen. Ab und zu trinke ich Brandy, und ich war auch Cognac nicht abgeneigt... Aber nichtmehr, seit ich und mein Kumpel Al Jones uns eine Flasche geteilt haben und er dann am nächsten Tag unter einem Baum in irgend einem Park aufgewacht ist. Seitdem halte ich mich etwas zurück. Ich bin wirklich kein großer Trinker. Aber wenn du mich in einem Coffee Shop in Amsterdam siehst... well, you know what I'm saying. That's much more my style.

R4F: Wie stehts bei dir mit Video-/PC-Spielen?

Im Gegensatz zu den meisten Rappern bin ich nicht so der Sport-Games- und Shooter-Fan. I mag das neue GTA, auch wenn mir viele der Funktionen von San Andreas fehlen. Ich mag außerdem RPGs... ich spiele gerade "The Elder Scrolls: Oblivion" wieder durch. Nicht neu, aber macht immer noch süchtig. Ich mag alle Zelda und Mario Games. Rock Band is auch sehr dope... zumindest bis Guitar Hero 4 rauskommt.

R4F: So, wir habens hinter uns. Ich möchte mich nochmals bedanken und dir jetzt die Möglichkeit geben, ein paar letzte Worte loszuwerden.

Ich möchte dir für diese Gelegenheit, hier zu Wort zu kommen, danken. Außerdem geht mein Dank an alle, die meiner Musik eine Chance gegeben haben. Ich möchte euch gern dazu auffordern, mit mir Kontakt aufzunehmen - Promoters, Leute für eine potentielle Zusammenarbeit, Leute, die Beats oder Rhymes benötigen, Leute, die gegen einen kleinen Preis eine Nachricht von mir auf ihre Voicemail gesprochen bekommen wollen, Hater, die mir erzählen wollen, wo ich mir mein grauenvolles Album hinstecken kann - ihr findet mich auf meiner myspace (www.myspace.com/gripgrand) oder auf der Kontakt-Seite auf www.routinefly.com
Und wenn euch meine Musik gefällt, dann erzählt das weiter. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann könnt ihr mir ja den Gefallen tun und das für euch behalten. Vielen Dank. Außerdem fällt mir auf, dass dieses Interview ins Deutsche übersetzt wird. Wenn ich also an irgendeiner Stelle wie ein dummer Trottel und/oder ein verrücktes Arschloch wirke: ich hab nur Spaß gemacht. Es ist falsch übersetzt worden, ich schwörs euch. Denn in Wirklichkeit war es urkomisch, glaubt mir.
Da ich mich gern als den Walter Benjamin des Rap sehe (und ich habe keine Ahnung, was das heißen soll), verlasse ich euch mit diesem Zitat aus den "Thesen über den Begriff der Geschichte", übersetzt vom Deutsche ins Englische und zu dem Zeitpunkt, wo ihr das hier lest, wieder zurückübersetzt ins Deutsche: This storm is what we call progress (Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm). Boo-yaa.
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