Willkommen auf rap4fame.de. Klicken sie hier um sich kostenlos zu registrieren und nutzen Sie die Vorteile eines registrierten Users.
r4f-Sampler Vol 3

rap4fame.de » R4F | Magazin » Reviews » Sniper - À Toute Epreuve » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau Thema abonnieren
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Sniper - À Toute Epreuve
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

User Information:
images/avatars/avatar-2580.jpg
Rang: R4F | Redakteur
Wertung:
Beiträge: 4.453
Guthaben: 23.985 Bucks
Herkunft: Deutschland
Fav. Artist: Pi, Papoose, Youssoupha, Senti,Tunisiano, Jah Cure
Fav. Crew: Saïan Supa Crew, Sniper, D-Block, S.A.S
Fav. Producer: Heatmakerz,Whizz Vienna,Monroe,Skalp, J.Blaze
Fav. CD: Sentino - IBDHH / Pi - Donnerwetter

- +
Level: 51 [?]
Erfahrungspunkte: 13.834.545
Nächster Level: 13.849.320

14.775 Erfahrungspunkt(e) für den nächsten Levelanstieg
User Beitrag:
Sniper - À Toute Epreuve


Release Date:
03. Oktober 2011

Label:
EMI Music / Mezoued / Believe

Tracklist:
01. À Toute Epreuve (Processus 2011)
02. Chienne De Vie (Feat. LECK)
03. Arabia (Feat. Reda Taliani)
04. Blood Diamondz (Feat. Sexion d’Assaut)
05. La Gueule De l'Emploi
06. Mentalité Française
07. Ange Et Démon (Feat. J-Mi Sissoko)
08. Blues De La Tess
09. J'te Parle (Feat. Soprano)
10. J'essaye d'Oublier
11. Fadela
12. Thérapie (Feat. Anahy)
13. Toute Le Monde Lève Les Bras
14. Jugement Dernier

Review:
Mittlerweile sind mehr als zehn Jahre verstrichen, seitdem sich die allesamt aus Deuil-La-Barre stammenden und von Bachir (Tunisiano) angeführten Ryad (Aketo), Karl (Blacko) und ihr Produzent und DJ Boudj mit ihrem Debütwerk "Du Rire Aux Larmes" aufmachten, ausgehend von den Pariser Vororten und dessen Untergrund das Land mit intensivem Sound und unverhohlen sozialkritischen, aber stets facettenreichen Botschaften im Sturm zu erobern und sich spätestens zwei Jahre später mit dem noch erfolgreicheren Nachfolger "Gravé Dans La Roche" einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Genres zu sichern. Dass dem Quartett dabei mächtig Gegenwind seitens der Politik, die das Quartett mehrmals vor Gericht zerrten, entgegenschlägt, hält das später um DJ Boudj reduzierte Trio nicht davon ab, mit "Trait Pour Trait" (2006) ihr drittes und wohl musikalisch rundestes, aber immer noch wurzelverbundenes und teils schonungsloses Werk auf den Markt zu werfen. Fünf lange Jahre später nun, Stil-Chamäleon Blacko oder vielmehr "Afrikaf" hat das Trio längst aufgrund einer persönlichen musikalischen Um- und Neuorientierung in Richtung Reggae verlassen, schwingen sich Tunisiano und Aketo im Jahr des arabischen Frühlings auf, mit einem überraschenden Album-Comeback in Form von "À Toute Epreuve" dem Mythos Sniper neues Leben einzuhauchen.

Die meisten Gedanken im Vorfeld der lang erwarteten, albumverbundenen Rückkehr der nun als Duo fungierenden Sniper kreisten wohl um deren, aufgrund des Wegfalls von Gesangstalent Blacko und dessen stets aufhellender Einschübe, fast unabdingbaren musikalischen Grund- und Neuorientierung. Hatte man bereits mit schnörkellosem Gespitte in Reinform des auch solo erprobten Tag Teams aus Tunisiano und Aketo gerechnet, so deutete spätestens die Ankündigung von illustren Gästen wie Sexion d'Assaut, J-Mi Sissoko, Reda Taliani, Soprano oder auch der Schweizer Sängerin Anahy darauf hin, dass zumindest für hochkarätige und zeitgemäße Kompensation des fehlenden Gruppenmitglieds gesorgt sein sollte. Diese für die bisherigen Album-Vorgänger gänzlich ungewohnt hohe Anzahl unterschiedlicher Feature-Einflüsse ließ allerdings zeitgleich vermuten, dass man anstatt einer Nachfolger-Scheibe im klassischen Sinne vielmehr recht neue Facetten des Mythos Sniper entdecken dürfte oder eben müsste. Nachdem man sich also auf die auch noch einmal im einleitenden, nach vorne strebenden und fast nostalgisch Scratches-unterlegten "À Toute Epreuve (Processus 2011)" thematisierten Gruppen-Veränderungen ("Oui cette musique est ingrate, odieuse per-sni qui dit mieux? Et on a commencé a 4 on a terminer à 2") eingelassen hat, kündigen melancholische Piano- und Streicher-Klänge sowie die schwermütige Stimme des algerischen Raï-Sängers Reda Taliani das erste und revolutionsumwehte Ausrufezeichen der beiden verbliebenen Rap-Widerstandskämpfer an: "Arabia". Dieses, wie die meisten Instrumentals von der Kilomaître-Mannschaft maßgeschneidert, beweist, dass Bachir und Ryad keineswegs in Alterslethargie verfallen sind, sondern sich offen und kritisch wie eh und je den Widrigkeiten und Problemen ihrer Umwelt widmen, was nun in einer musikalischen Verarbeitung des arabischen Frühlings, insbesondere der dramatischen Lage der Bevölkerung, mündet. Dabei zeichnen sich beide jedoch weniger durch frühjährlichen Optimismus oder verbreitete Aufbruchstimmung aus, sondern versuchen vielmehr einen realistischen, wenn nicht gar zu schwarz gezeichneten Eindruck der bewegenden Umwälzungen in ihren Heimatländern zu vermitteln:

"Oui, ils marchent pour leur interêts,
L'état compte les sinistres,
Oui ils font coulé le sang,
Et on la mort pour ministre,
Arabia triste bilan,
Va du Maroc à l'Iran,
L'espoir remplies des cercueils,
Et porte le deuil des tyrans
"

Schwere Kost und eine leicht drückende Atmosphäre ziehen sich auch in das nächste, diesmal von den Sexion-d'Assaut-Shootingsstars Maître Gims, Lefa und Barack Adams begleitete "Blood Diamondz", das sich nun inhaltlich weiter im Süden Afrikas abspielt und sich, ganz im Stile des Films "Blood Diamond", mit der rücksichtslosen Ausbeutung des schwarzen Kontinents beschäftigt. Während das zugrundeliegende Beatgerüst noch recht ungeschliffen simpel wummert, sind es gerade die begleitenden, gesamplten afrikanischen Folklore-Chorstimmen, die erneut eine dramatischere und tiefergehende Atmosphäre aufziehen und die Geschichte zu einem intensiven Hörerlebnis werden lassen, das sich vor Kanyes "Diamonds From Sierra Leone" keineswegs verstecken bräuchte. Bereits nach diesen ersten Eindrücken stellt man fest, dass man es keinewegs mit einem, wie vielleicht mancherorts befürchtet, ideenlosen, verkrampften oder lustlosen Comeback-Album zur Ausschöpfung letzter Verkaufspotenziale zu tun hat, sondern vielmehr mit einer doch interessanten und anspruchsvollen Album-Fortsetzung, bei der die vor Energie immer noch strotzenden Tunisiano und Aketo bisher mit ungestilltem Hunger, größtenteils Sniper-getreuen, aber doch innovativen Lyrics und einem soundtechnischen Spagat zwischen Damals und Heute überzeugen können. Dass es nicht immer allzu ernst zugehen muss, beweisen Tunisiano und Aketo auf dem schnörkelosen Gee-Futuristic-Machwerk "La Geule De L'Emploi", dass mit Zeilen voller Selbstironie à la Tunisiano und dessen Haarschnitt ("L'un des derniers rappeurs qui a une coupe au gel depuis Diam's") besticht und einen ungewohnt unterhaltsamen Farbklecks in der auch in Frankreich gerne allzu harten Genre-Landschaft hinterlässt. Dass Tunisiano und Aketo ungeachtet aller globalen Widrigkeiten auch immernoch mit gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten in Frankreich zu kämpfen haben, verdeutlicht das dramatisch streicherbegleitete, mit unterlegten Scratches und abschließenden weiblichen Chor-Stimmen verfeinerte "Mentalité Francaise". Dieses dürfte neben technisch besonders von Tunisiano gewohnt brilliant angestimmter, eindringlicher und provokanter Sozialkritik auch in musikalischer Hinsicht völlig zeitlos alle Hörer-Generationen der Gruppe verzücken. Doch wo viel Licht zu Tage kommt, lässt auch ein wenig Schatten nicht auf sich warten, welcher sich insbesondere klangtechnisch im wie in den meisten Versuchen oft gänzlich unbrauchbaren elektronischen Mischmasch-Experiment an der Seite der an dieser Stelle auch völlig deplatzierten Dancehall-Röhre J-Mi Sissoko breitmacht. Allzu lange muss man sich allerdings nicht mit diesem Anspielpunkt rumschlagen, denn es folgt ein von Greg-K in typisch melancholischer Sniper-Manier geformtes Brett, auf dem sich flowtechnisch besonders Aketo ins Zeug legt, sowie ein energiegetriebenes, teils rockiges und diesmal vom HK-Corp-Team geschustertes Stück an der Seite von Marseilles Psy-4-de-la-Rime-Mastermind Soprano, der refraintechnisch verlässlich melodiös-einprägsame Zeilen beisteuert. Letzten Gesprächs- oder Zündstoff liefern der einerseits geistreich-unterhaltsame, aber andererseits vor allem verlorene Bodenhaftung ironisch kritisierende Storyteller "Fadela" sowie das trotz andächtig kirchenähnlicher Chor-Samples nicht religiöse, aber dafür umso schonungslosere "Letztes Gericht" in Form von "Jugement Dernier". Dieses holt, unterstrichen von einem pumpend-intensiven Klangteppich, zum Rundumschlag gegen Staat und Gesellschaft aus und lässt so Sniper-getreu den neuesten Opus ausklingen.

Trotz personeller Veränderungen und einem großen Zuwachs an hinzugezogener und unterschiedlicher Verstärkung hält auch das neueste Sniper-Werk nach fünfjähriger Schaffenspause im Großen und Ganzen das, was man von einem Longplayer der nun als Duo fungierenden Tunisiano und Aketo erhofft hätte: eine von beiden Protagonisten in flowtechnisch mitreißender und hungriger Art und Weise verpackte, gehaltvolle Mischung aus schonungsloser Sozialkritik und leicht ironischem Entertainment, untermalt von zumeist melancholisch-intensiven Instrumentals, die bis auf wenige abweichendere Ausnahmen überzeugende zeitgemäße Adaptionen des früher schon relativ zeitlosen Sounds der Formation darstellen. Einen leichten Durchhänger macht das ansonsten zwar nicht unberechenbare, aber dafür stimmige Werk vor allem mit den ebenfalls sich nahtlos überzeugend ins Gesamtbild einfügenden Gästen, die den fehlenden Blacko zumindest für die knapp eine Stunde Spielzeit in Vergessenheit geraten lassen könnten, wett.

Wertung: (4 von 5 Kronen)


Bewertung der Hörer: (0 Bewertungen / 0 Ø)


Redakteur:
Sonny

User Information:
images/avatars/avatar-2609.jpg
Rang: R4F | Redakteur
Wertung:
Beiträge: 6.075
Guthaben: 28.142 Bucks
Herkunft: Nähe Stuttgart
Fav. Artist: Freddie Gibbs, J. Cole, Curren$y, MF Doom
Fav. Crew: Black Hippy, Wu-Tang Clan, CunninLynguists
Fav. Producer: J Dilla,Kanye West,Madlib,DJ Premier, 9th Wonder,.
Fav. CD: Wu-Tang Clan - Enter The Wu-Tang
Lieblingsfilm: The Green Mile, Dark Night,....

- +
Level: 48 [?]
Erfahrungspunkte: 7.397.535
Nächster Level: 8.476.240

1.078.705 Erfahrungspunkt(e) für den nächsten Levelanstieg
User Beitrag:

Gerade mal durch Zufall "Blood Diamondz" auf Youtube angehört. Überkrasser Track, gibt einem voll das Afrika-Feeling, richtig heftig. Nächstes Album auf meiner Wunschliste. bestätigen
User Signatur:

Momentaner Lieblingssong: Common - Blue Sky

Baumstruktur | Brettstruktur

Ähnliche Themen
Thema Erstellt von Forum Antworten letzter Beitrag
1. Sniper - Toute Epreuve Sonny Upcoming Releases 5 05.11.2011 15:24 Uhr
Gehe zu:
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
rap4fame.de » R4F | Magazin » Reviews » Sniper - À Toute Epreuve


Abonnieren sie unseren Newsfeed Aktuelle Reviews per RSS Eigenen RSS Feed erstellen Bookmark and Share
2005 - 2011 rap4fame.de
MySpace | Twitter | Impressum | Archiv