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Fav. Producer: Heatmakerz,Whizz Vienna,Monroe,Skalp, J.Blaze
Fav. CD: Sentino - IBDHH / Pi - Donnerwetter

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Tunisiano - Le Regard Des Gens


Release Date:
25. Februar 2008

Label:
Desh Musique

Tracklist:
01. Effet d'une bombe
02. Equivoque
03. Le regard des gens
04. Dégouté
05. Toucher mes rêves (Feat. Lyricson)
06. Nos rues
07. Marlich
08. Citoyen du monde (Feat. Zaho)
09. Je porte plainte
10. Musique je te haime
11. On s'en fiche (Feat. Akil)
12. Qui es tu?
13. Solitude (Feat. Amel Bent)
14. Carte postale
15. Ensemble
16. Répondez-moi

Review:
Ganze 13 Jahre hatte es gedauert, bis Tunisiano, seines Zeichens französischer Rapper mit tunesischen Wurzeln und Gründer der legendären französischen Rap-Gruppe Sniper, nach seinem Einstieg in die französische Hip-Hop-Szene im Jahr 1995 sein erstes Soloalbum in Form von "Le Regard des Gens" veröffentlichte. Doch ein unbeschriebenes Blatt war der aus dem Pariser Vorort Deuil-la-Barre stammende Rap-Superstar zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr, im Gegenteil, nach drei unglaublich erfolgreichen Alben mit seiner im Jahr 1997 gegründeten Gruppe Sniper, einer Anklage im Jahr 2004 durch den späteren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy wegen gewaltverherrlichender Texte der Gruppe, anschließendem Freispruch vor Gericht und vielzähliger Zusammenarbeiten mit der Rap-Elite des Landes war schließlich auch dem letzten Musikfan unseres Nachbarlandes der Name Tunisiano ein Begriff. Dabei polarisierte der Gründer der vierköpfigen Gruppe Sniper wie kaum ein anderer Emcee mit seinen zumeist kritischen, tiefgehenden und energiegeladenen Songs, welche mit größtenteils hervorragenden Produktionen versehen den Hörern die Sprache verschlagen sollten. Dass Tunisiano zu einem der größten Rapper seines Landes gehört, bewies dieser nun mit seinem sehr erfolgreichen Debütalbum "Le Regard Des Gens", auf dem lediglich enge Bekannte wie Zaho, Akil, Amel Bent und der Reggae-Sänger Lyricson als Featuregäste vertreten sind.

Orientalische Klänge leiten den überraschend stark synthielastigen Battletrack "Effet d'une bombe" ein, auf dem man neben Tunisianos Markenzeichen, seinem vielleicht zunächst gewöhnungsbedürftigen französisch-arabischen Rapstil, auch direkt das schlechteste Instrumental des Albums geboten bekommt, welches aufgrund schnell nervender elektronischer Klänge sofort zum Skippen verleitet. Leider setzt sich der schlechte Beginn mit dem nächsten, ebenfalls sehr anstrengend elektronischen Song fort, welcher lediglich soundtechnisch an manchen Stellen an "Without Me" des amerikanischen Rap-Superstars Eminem inklusive dessen "Na Na Na"-Gesang erinnert. Es folgen zwei weitere durchschnittliche Songs über altbekannte Themen wie das Leben und die Jugend in den Banlieues, und man fragt sich bereits, wieso um Himmels Willen der nur so vor Potential strotzende und lyrisch gewandte Rapper seinen Hörern einen solch enttäuschenden Albumanfang bietet, bis Tunisiano endlich seinem Ruf alle Ehre macht und mit dem reggaelasitgen und inhaltlich äußerst starken "Toucher mes rêves" an der Seite des Reggae-Sängers Lyricson auf beeindruckende Weise das Ruder des bereits schwankenden Schiffs herumreißt. Auf dem melodiösen, von Bost & Bim produzierten Reggae-Riddim singt Tunisiano über seine bodenständigen Träume und verdeutlicht, dass er trotz allen Erfolgs nicht abgehoben ist und Freiheit und Familie seinen größten Reichtum darstellen:

"J'ai trop halluciné ,
Je ne rêve pas d'être VIP,
Dans des pétasses cocaïnées,
Je ne rêve pas de pouvoir,
Ou d'être supérieur,
Mais que ma plus grand richesse soit intérieur
"

Melancholische Streicher-Klänge leiten das nächste, unter die Haut gehende Highlight in Form von "Marlich" ein, auf dem ein sehr ehrlicher und emotionaler Tunisiano auf einem hervorragenden, melodiösen Beat sein ganzes Können unter Beweis stellt und sich in lyrischer Form jeglichen Ballast vom Herz rappt. Als nächstes folgt das ungewohnt R'n'B-lastige, aber überzeugende "Citoyen du monde" an der Seite der starken algerischstämmigen R'n'B-Sängerin Zaho. Über einen pumpenden, aber zugleich melodiösen Beat singen beide Protagonisten auf Französisch und teilweise auf Arabisch im Wechsel über ihre Herkunft, ihre Weltoffenheit und die Vorzüge der verschiedenen Kulturen:

"Je suis fils d'Algérie.
Fille de Tunis!
Parfum d'épices,
Jasmin et tulipes,
Fils des Comores,
Fille du Mali!
Ceux qui nous honorent,
Fierté, famille.
Nous sommes ceux que nous sommes,
Femme ou bien homme,
Le mélange sonne
Comme voyelle et consonne
"

Nach diesem musikalisch eher ruhigen Ausflug in fremde Kulturen wartet Tunisiano mit dem nächsten Highlight in Form des energiegeladenen "Je porte plainte" auf den Hörer, welches durch ein Gespräch zwischen Tunisiano und einem Polizisten eingeleitet wird, in welchem der Rapper seinem Gegenüber erklärt, dass er gerne Anklage gegen etwas oder jemanden erheben möchte. Dies geschieht im Folgenden über einen überragenden, energiegeladenen Beat von Medeline, auf dem Tunisiano beeindruckend kritisch kein Blatt vor den Mund nimmt und schwere Anklage gegen die Polizei in Frankreich erhebt, wie es bisher selten im französischen Rap der Fall war:

"Je porte plainte,
Si seulement vous saviez,
Pour une cigarette à la plante,
Vos potes nous en font baver,
C'est fou comme la vie est chiante pour ces gamins du gravier,
Quand la moindre petite déscente rime avec une GAV,
Dire que ceux qui foutent le sbeul ne sont qu'une minorité,
Trop de délits de sale gueule pour vous dire la vérité,
A force de nous prendre de haut, d'agir avec sévérité,
Vous nous avez rendus barjot et rigide à l'autorité,
Trop souvent verbalisés, vos patrouilles font baliser,
Vous n'êtent pas tous dans le même sac,
Je ne vais pas généraliser,
Vous aimez casser les valseuses,
Pour un petit pilon, nous parfumer à la gazeuse est,
L'un de vos pêchés mignon"

Es folgen das pianobegleitete "Musique je te haime" sowie das sehr orientalisch klingende, flotte "On s'en fiche", auf dem ein auf Arabisch und Französisch spittender Tunisiano von dem Rai-Sänger Akil unterstützt wird. Der nächste starke Song kommt in Form von "Carte Postale", auf dem Tunisiano einem Freund in musikalischer Form eine Postkarte aus seiner Heimat schreibt, was erneut von orientalischen Klängen, schönen Samples und einem arabisch geprägten Refrain untermalt wird. Wer genauso weltoffen wie Tunisiano an dieses Album rangeht, dürfte aufgrund der vielen orientalischen Einflüsse begeistert sein, wer allerdings mit der arabischen Welt nicht viel anfangen kann, sollte sich jedoch auf das ein oder andere Skippen eines Songs einstellen. Der starke Klang von gezupften Gitarren-Saiten leitet das nächste Highlight des Albums ein: "Ensemble". Auf einem klassischen, pumpenden HipHop-Beat, der allerdings aufgrund der Gitarren-Klänge trotzdem soundtechnisch einen orientalischen Anstrich behält, rappt der Album-Protagonist auf ehrliche und überzeugende Weise über Freundschaft und Zusammenhalt. Den Abschluss des Albums bildet die melancholische, pianobegleitete und sehr persönliche Single "Répondez-moi", auf der sich Tunisiano auf ruhige aber zugleich emotionale Art und Weise Gedanken über alle Themen macht, die ihm den Schlaf rauben, wie zum Beispiel das Leben und der Tod. Hier merkt man deutlich, welch lyrisches Genie der Rapper sein kann, wenn er will.

Insgesamt hält man mit "Le Regard des Gens" auch heute noch ein sehr facettenreiches Album in den Händen, in denen Tunisiano sowohl auf inhaltlicher als auf musikalischer Ebene mit viel Abwechslung überzeugt. Ist der Anfang zwar noch sehr holprig und kommt mit ungewohnt elektronischen und schnell nervenden Streetrap-Sound daher, ist der Rest des Albums jedoch umso überragender, seien es die unglaublich kritischen Anschuldigungen gegenüber der Polizei auf einem alles niederwalzenden Beat in "Je porte plainte" oder die wunderschönen Streicherklänge bei dem sehr emotionalen "Marlich". Tunisiano brilliert mit tiefgehenden, unglaublich vielschichtigen und ehrlichen Texten, die die zweite Hälfte des Albums zu einer Art Soundtrack des Lebens machen, und spielt zwischendurch immer wieder geschickt mit den musikalischen und kulturellen Einflüssen der arabischen Welt, sodass man beim zweiten Teil durchaus von einer Meisterleistung des mittlerweile schon 31-Jährigen sprechen kann. Leider trüben die schwachen ersten Songs das Gesamtbild und sind der Grund dafür, dass man dem Album insgesamt nur vier Kronen verleihen kann.

Wertung: (4 von 5 Kronen)


Bewertung der Hörer: (0 Bewertungen / 0 Ø)


Redakteur:
Sonny

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