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Jeff Le Nerf - Ennemis D'Etat


Release Date:
07. März 2011

Label:
AZ / Universal Music France

Tracklist:
01. J'te Parle
02. Disquette
03. Jeff Le Nerf
04. Personne M'a Servi d'Exemple (Feat. Niro)
05. Seul (Feat. Sonia Nesrine)
06. Putain De Zik (Feat. Eklips)
07. 32 Barres
08. Debout
09. Vida Loca
10. Ennemis d'Etat
11. Elektron Libre
12. Poursuis Ton Rêve
13. 38 District
14. Pour Qu'on Fasse Le Show
15. De La Guerre
16. S'ils Savaient (Feat. 100 Pesly & Sofiane)
17. Princesse (Feat. Ayna)
18. IV My People (Feat. Kool Shen)
19. Merci

Review:
Dass es der aus Grenoble im Südosten Frankreichs, welches trotz eines umliegenden und mehr als 500.000 Menschen umfassenden Großraums nicht mal ansatzweise eine lebendige Rap-Landschaft aufweisen kann und deutlich im Schatten der pulsierenden Süd-Metropole Marseille liegt, stammende Jeff Le Nerf trotzdem aus dem Untergrund seiner Heimatstadt geschafft hat, liegt wohl an einer wegweisenden Begegnung mit Rap-Urvater und Suprême-NTM-Mitgründer Kool Shen. Entdeckt, gefördert und schließlich 2005 von der Saint-Denis-Legende Kool Shen bei dessen hauseigenem Label IV My People unter Vertrag genommen, entwickelt sich Jeff Le Nerf stetig weiter und bringt im selben Jahr nach mehreren vorangegangenen kleineren Releases das Street-Debüt "Le Nerf à Vif" raus. Diesem folgt 2007 das erste richtige Solo-Werk "Tous Ce Que J'ai" über den Universal-Imprint AZ, bevor wir es nun im März mit dem zweiten, über AZ, welches das in Schwierigkeiten geratene IV My People mittlerweile geschluckt hat, releasten Studioalbum "Ennemis D'Etat" des selbsterklärten "Staatsfeinds" zu tun bekommen. Der fast ausschließlich von Hausproduzent KO gebastelte Longplayer setzt wie die Vorgänger auf klassisches Rap-Handwerk ohne großes Brimborium und kommt daher auch mit wenigen Feature-Importen aus, abgesehen weniger Beiträge von Künstlern wie den Sängerinnen Ayna und Sonia Nesrine, Beatbox- und Stimmenimitator-Genie Eklips oder dem obligatorischen Feature mit Mentor Kool Shen.

War man Anfang dieses Jahres abseits der großen Namen und des immer öfter schlecht vertonten und breitgetretenen Mischmasch aus vermeintlich straßennahem Banlieue-Sound und massentauglichem Elektro-Einheitsbrei von Nakk's wunderbarer Rap-Rückbesinnung in Form seines Werks "Le Monde Est Mon Pays" verzaubert worden, so besitzt man auch bei dem bodenständigen Kool-Shen-Schützling Jeff Le Nerf die Hoffnung, dass dessen unscheinbares "Ennemis D'Etat" sich als noch ungeschliffener Rohdiamant herausstellen könnte. Während sich der Emcee aus Grenoble noch bei seinem featurefreien Debütalbum ganz auf sich konzentrierte und zumeist persönliche Themen verarbeitete, soll sich der Blickwinkel der neuen Album-Erzählungen nun auch dank einiger Gäste vergrößern. Was genau das nun bedeutet, verdeutlicht uns Jeff Le Nerf im melodiösen und federleichten Intro "Je t'Parle", in welchem er nur von sanften Piano-Klängen und später einsetzenden weiblichen Vocals begleitet wird und eindringlich die ihn prägenden Einflüsse und Eindrücke des Lebens wiedergibt. Nachdem zumindest die inhatliche Marschroute angedeutet wurde und man neben optischen auch flowtechnische Parallelen zum Pariser Six-O-Nine-Schwergewicht Sinik ziehen kann, verlässt Jeff Le Nerf die rein ruhigen Pfade und begibt sich mit seiner persönlichen Titelhymne "Jeff Le Nerf" auf rauere Wege. Auf einem pumpenden, aber zugleich atmosphärischen Soundteppich lässt ein emotionaler Jeff Le Nerf neben persönlichen Erzählungen auch die eine oder andere Punchline auf den Hörer niederprasseln, was jedoch wie im Intro von weiblichem Gesang an manchen Stellen auf gefühlvolle Art abgefedert wird. Die Symbiose zwischen weiblichem Gesang, einem atmosphärischen Klanggewand und einem ehrlichen Jeff Le Nerf erlebt man auch auf dem melancholischen "Seul" an der Seite von Sängerin Sonia Nesrine, die gleich eine ganze Strophe beisteuern darf. Weit entfernt von pseudo-tiefgehenden Lebensweisheiten wird man mit einer ungewöhnlichen und zugleich fesselnden Art Selbsttherapie des Emcees aus Grenoble konfrontiert, der in allerbester Ein-Mann-Armee-Manier über die Schwierigkeiten des Zusammenlebens, die schwierigen Liebesbeziehungen und die Vorteile des Alleinseins philosophiert. Dabei fesselt der Franzose den Hörer in Zusammenarbeit mit Nesrine nicht aufgrund außergewöhnlicher Wortspiele oder Ähnlichem, sondern mit seinen persönlichen und ehrlichen Bekenntnissen:

"On a grandi sans se faire de crasse, cramé dans le même drame ouais,
Aujourd'hui on se calcule plus ou de travers dans le tramway,
Jeune en chien mais soudé, c'est pas pareil entre adulte,
L'appât du gain, l'oseille change ton frère en crapule,
C'est basique, une torture des que ça t'arrive,
L'amitié n'a pas de prix, suffit de monter le tarif,
On avait trop la dalle difficile de se perdre de vue sans se trair,
Sans se baiser, sans se graille, sans se hair,
Et je m’emmerde mais je trouve ça mieux quand j'ai gamberge,
Je préfère marcher seul que d’avoir un chibre dans le derche,
C'est vulgaire comme de faire de son frère un ennemi proche,
Parce qu'on partageait pas que le micro quand on était microbe.
"

Nach einer ungewöhnlichen, aber beattechnisch monotonen Kollabo-Nummer mit dem nichtssagenden Titel "Putain De Zik" an der Seite des Pariser Eklips, der sich neben einer anfänglichen Imitation seiner Paraderolle Booba auch dem Album-Interpreten selbst auf erfrischende Art und Weise widmet, kriegt man die ersten Durchhänger des Longplayers zu spüren. Monotone und simple Synthie-Allerweltsproduktionen ohne atmosphärischen Wert machen sich breit und bringen ungünstigerweise die Schwächen des Emcees aus Grenoble ans Tageslicht, welcher sich trotz stets hungrigem Flow einige lyrische Ausfälle gönnt und viele mäßig unterhaltsame Punchlines aneinanderreiht. Geringfügig besser gestaltet sich zumindest der provokant-aggressive Titelsong "Ennemis D'Etat", in dem der "Staatsfeind" wieder eine rauere Gangart an den Tag legt und sozialkritisch-überspitzte Geschosse in alle Ecken Frankreichs verschießt. Hoffnungsvoller geht es im pianobegleiteten "Poursuis Ton Rêve" zu, das wie die Songs vom Album-Anfang von weiblicher Gesangsunterstützung veredelt wird. Warum nun gerade die persönlich-melancholischen Songs besser ausproduziert wurden als die oftmals monotonen und einfältigen vermeintlichen Straßenbretter bleibt allerdings bis zum Ende des Albums ein Geheimnis des Emcees aus Grenoble und dem hauptverantwortlichen Kool-Shen-Hausproduzenten KO. Denn auch mit der melancholisch-schönen Hommage "Princesse" an seine Tochter hat Jeff Le Nerf ein intensives Hörerlebnis geschaffen, was neben den gelungenen Gesangs-Elementen von Feature-Stimme Ayna auch mit persönlichen Lyrics überzeugt, die trotz ein wenig Kitsch authentisch ("J'connais assez la rue j'peux pas lui laisser ta garde") und mit Herzblut ("Les peines, les craintes et les cris, laisse rêver ton môme, laisse tourner son train éléctrique, laisse le aimer vivre") rübergebracht werden. Weitere Lichtblicke sind lediglich das gefühvoll-ehrliche "IV My People" an der Seite von Mentor Kool Shen, welches eine gehörige Portion Nostalgie aufkeimen lässt, sowie das abschließende "Merci", das trotz simplen BoomBap-Beat-Gerüts inklusive roher Drums eine fesselnde, düster-melancholische Atmosphäre zu erzeugen vermag. Doch diese Atmosphäre wurde bis dahin des Öfteren durch lustlose und eintönige Produktionen sowie durchschnittliche Leistungen des Protagonisten gestört, sodass ein wirklich stimmiger Gesamteindruck auf der Strecke bleibt und einige der 19 Songs wieder in Schall und Rauch verschwinden.

So gering vermutlich die kreativen und reimtechnischen Geistesblitze bei der Namensgebung "Jeff Le Nerf" des Kool-Shen-Schützlings aus Grenoble ausfielen, so durchwachsen ist leider auch das zweite Solowerk des Franzosen geworden, von dessen 19 Songs nur einzelne wortwörtlich den Nerv des Hörers treffen. Dies gelingt dem Emcee besonders auf den düster-melancholischen Songs, die mit einer Mischung aus oftmals zwar simplen, aber stimmig geschaffenen und pianounterlegten Beat-Gerüsten, der Unterstützung von weiblichen Gesangs-Vocals und authentisch-ehrlichen Lyrics eine fesselnde Atmosphäre erschaffen. Gestört wird dies leider durch die eine oder andere skippbare Durchschnittsware, die man bei 19 Songs im Vorfeld gut hätte aussortieren können. Auch wenn das Werk den Horizont und Blickwinkel des Schaffens des Emcees aus Grenoble erweitern sollte, ist "Ennemis D'Etat" leider keine großartige Steigerung zum Vorgänger "Tout Ce Que J'ai", was angesichts des durchaus gelungenen Debüts allerdings auch keine große Schande darstellt.

Wertung: (2,5 von 5 Kronen)


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Redakteur:
Sonny

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