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Zum Ende der Seite springen OGB - La Mémoire
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Rang: R4F | Redakteur
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Herkunft: Deutschland
Fav. Artist: Pi, Papoose, Youssoupha, Senti,Tunisiano, Jah Cure
Fav. Crew: Saïan Supa Crew, Sniper, D-Block, S.A.S
Fav. Producer: Heatmakerz,Whizz Vienna,Monroe,Skalp, J.Blaze
Fav. CD: Sentino - IBDHH / Pi - Donnerwetter

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User Beitrag:
OGB - La Mémoire


Release Date:
30. Mai 2011

Label:
Shaïm Publishing / Because Music

Tracklist:
01. Le Chant Des Hyènes
02. Leader (Feat. IAM & Mafia K'1 Fry)
03. Génération 90 (Feat. Myma Mendhy)
04. L'Angoisse (Feat. Diams)
05. Paranoiaque
06. Press Pause (Feat. Indila)
07. Combien (Feat. Diaf)
08. Comme Hier (Feat. Zaho)
09. 2 Sans Rancune
10. Hâââl
11. Wana Wana (Feat. Mohamed Lamine)
12. Lala Fatéma (Feat. Mohamed Lamine)
13. Pas D'Ma Faute
14. 2039
15. Angels
16. Rafales (Feat. Rim'K & Salim)
17. Naomé, Ayamé
18. Hors Game

Review:
Mehr als zehn Jahre sind bereits vergangen, seit der algerischstämmige und im Pariser Bezirk Val-de-Marne groß gewordene Mafia-K'1-Fry-Mitbegründer OGB ("Original Gros Bonhomme") sich 1999 erstmals abseits seines mächtigen Kollektivs um Kery James, Manu Key, Dry oder den Jungs von 113 auf Solo-Pfade begab und eine erste Maxi "Rap Offensif" veröffentlicht. Doch in den Jahren seit den ersten Genre-Gehversuchen 1992 macht sich der leidenschaftliche Sprayer viel weniger mit Solo-Projekten wie dem 2006 gefolgten Debüt "Enfermé Dehors" einen Namen, sondern vielmehr als wohl qualitativ hochwertigster Tour-Back-Up Frankreichs und Wegbegleiter seiner "Mafia Africaine"-Freunde auf mehr als 400 Konzerten und all deren Projekten. Nach nun fast zwanzig Jahren im Geschäft hat der starke Mann im Hintergrund des Geschehens nun all seine Erinnerungen auf seinem zweiten Longplayer "La Mémoire" verewigt, wobei er zwischendurch Stift und Mic an Künstler wie Diam's, Mafia K'1 Fry, IAM, Rim'K oder an die Sängerinnen Indila und Zaho abgegeben hat. Das enstandene Gesamtwerk werden wir nun musikalisch gesehen auf Herz und Nieren prüfen.

Bereits im Vorfeld ließ sich erahnen, dass dieses vertonte Resümee langjähriger Erlebnisse und Eindrücke des Emcees mit der durchdringenden und dennoch ruhigen Stimme, welcher so stark und lange mit der Genre-Kultur und dem Pariser Vorstadtleben verwurzelt ist und entscheidend die Mafia-K'1-Fry-Ära mitprägte, ein besonders intensives und facettenreiches Hörerlebnis werden würde. Diese Vorahnung bestätigt sich nun direkt mit dem einleitenden und mächtigen Synthie-Opener "Le Chant des Hyènes", der direkt mal den Asphalt der Vorstädte erhitzt und einen brodelnden Protagonisten präsentiert, der sich mit fiktiven Feinden konfrontiert sieht und alles um ihn herum kompromisslos niedermalmt. "Bad Boys de Marseille, unis aux bad boys, scélérats, Mafia K'1 Fry, IAM, la massifo se ramène" - eingeläutet von einem pianobegleiteten und melodiöseren Instrumental aus dem Hause des Pariser Beatbastlers Alex alias Ex-Prod erheben sich Marseilles IAM-Legenden Akhenaton und Shurik'N sowie OGBs Mafia-K'1-Fry-Mitstreiter Kery James und Dry aus dem vom Album-Protagonisten hinterlassenen Staub und zelebrieren eine geschichtsträchtige Verschmelzung der beiden größten Supergroups des Landes. Eingehüllt von einem harmonischen Klanggewand brillieren alle vertretenen und von den Straßen auserkorenen Genre-"Leader" mit einem individuellen Rückblick auf den Ursprung ihres Schaffens und ihren über die Jahre manifestierten Platz an der Genre-Spitze, ohne dabei ihr Umfeld und ihre Wurzeln zu vergessen:

"Dis leur que dans nos quartiers, nos mentalités sont intacts,
C'est la guerre sur les murs, regarde nos rimes, les impacts,
On a le bras long, la voix large, les épaules solides et compactes,
Les flows fusent, qu'on se tape, on a colonisé vos bacs,
Mafia africaine, mon logo je veux pas le voir en cendres,
On est tous sur le même terrain, pas venu au monde pour me faire descendre,
Avec IAM on veut pas se rendre oui, de Marseille à Vitry, oui,
De la part d'O.G.B faya, Mafia K1 Fry
"

In anderer Weise emotional geht es auf dem erneut pianobegleiteten und belastenden "L'Angoisse" an der Seite von Frankreichs Rap-Therapeutin Diam's weiter, die sich in gewohnt eindringlicher Art und Weise mit schwer verdaulichen Themen wie Selbstzweifeln, innerer Zerrissenheit, Schattenseiten des Lebens und einer verletzten Seele als tickende Zeitbombe auseinandersetzt: "De lexomil, un verre d'alcool pour calmer la douleur, l'angoisse peut surgir à toute heure, combien vivent ca de l'intérieur, c'est comme une bombe qui est pas loin d'péter". Dabei kann man den von ihr und OGB in der Hook unternommenen paradoxen Versuch, Hoffnung und positive Botschaften zu verbreiten, bei all der schweren Kost zwischen den Zeilen getrost als gescheiterte Mission erklären. Eindringlich ist auch der anschließende Song, sodass man sich langsam doch nach einem positiveren Anspielpunkt sehnt. Diesen findet man zwar recht schnell mit dem ruhigen Mutmacher "Press Pause" an der Seite der indischstämmigen Indila, doch hört sich das Ganze soundtechnisch und auch dank des ungewohnt nach Barbados-Sängerin Rihanna klingenden Beitrags der sonst so erfrischend-exotischen Gast-Sängerin mehr nach internationaler R&B-Allerweltsware an und wirkt nach dem ersten Album-Eindruck recht deplatziert. Häppchenweise, genau genommen in Zweier-Paaren, bekommt der Hörer anschließend weitere Kostproben der musikalischen Vielfalt des Longplayers serviert, die sich außer in düster-rauen Synthie-Geschossen leider auch in teils ausdruckslosen und unpassenden elektronischeren Nummern ausdrückt. Warum das bisher atmosphärisch häufig brilliant-düster in Szene gesetzte Klangbild nun mit vermeintlich verkaufsfördernder und dürftiger Elektro- und Club-Panscherei zu einem für langjährige Mafia-K'1-Fry-Hardcore-Fans recht unverdaulichen Einheitsbrei vermischt wird, ist kaum nachvollziehbar. Auch wenn die orientalisch-angehauchten Kollaborationen mit dem algerischen Stimmakrobaten Mohamed Lamine sicherlich auf ihre Weise als Stimmungsmacher ganz gut funktionieren mögen, hätten solche Sound-Ausflüge doch besser einen Platz auf einer Raï'n'B-Compilation als auf dem musikalischen Vermächtnis des Mafia-K'1-Fry-Mitlgieds gefunden. Und auf das nächste richtige Highlight muss man leider auch erstmal noch warten, denn trotz seiner überzeugend in knallharten und makelosen Reimen transportierten Attitüde sorgen unstimmige soundtechnische Begleitumstände wie ein übertrieben-kitschiger weiblicher Refrain bei der anschließenden Weltschmerz-Straßenballade "Pas D'Ma Faute" sowie unnötiges Auto-Tune-Gejaule bei dem treibend-futuristischen "2039" für leichte Verstimmungen. Diese verschwinden allerdings endgültig mit den ersten anklingenden Gitarrenriffs der ruhigen und tiefgehenden Perle "Angels", die trotz einer bedrohlich-kitschigen Vertonung ihres Titels im Autotune-verzerrten Refrain einen überraschend guten Spagat zwischen authentisch-persönlichen Lyrics und sanften Pop-Rock-Elementen schafft. Nach einem kurzen, aber umso schwereren Straßendonnerwetter an der Seite von Mafia-K'1-Fry-Kollege Rim'K und Salim, die zusammen in Maschinengewehrtempo harte Ansagen in alle Richtungen verschießen, rundet mit "Naomé, Ayamé" eine erneut sehr ruhige und persönliche Nummer das vielseitige Werk ab. Auf einem pianobegleiteten Soundteppich aus dem Hause Autopsyprod zeigt sich OGB als liebender und fürsorglicher Familienvater, der mit einer schönen Hommage an seine Kinder für das letzte Highlight der Platte sorgt.

Bevor man als Hörer das vorliegende Gesamtwerk so richtig einordnen kann, ist es zunächst die Dankbarkeit für die unerwartete, nahezu geschichtsträchtige und nebenbei auch gebührend vertonte und dem Jahr 2011 angepasste Verschmelzung der Supergroups Mafia-K'1-Fry und IAM ("Leader"), die man erstmal unweigerlich mit dem 18 Songs starken Werk verbindet. Dass dieses des Weiteren ein abwechslungsreiches, wenn auch teilweise leider wie ein recht konzeptloser Flickenteppich wirkendes und von recht unvereinbaren Stil-Einflüssen überladenes Gesamtbild hinterlässt, ist eine weitere kleine Überraschung. Denn erwartete, kompromisslos-messerscharfe Botschaften des Mannes aus Val-de-Marne, brettharte Straßensongs im Mafia-K'1-Fry-Stil und ein einsträngig-atmosphärischer Leitfaden wie beim Vorgänger "Enfermé Dehors" gehören zu den Ausnahmen des Albums, das somit trotz persönlicher Facetten auch einen gewissen Identitätswandel oder gar -verlust anklingen lässt. Somit bleibt ein von der Zeit und neuartigen Einflüssen à la Auto-Tune eingeholtes Vermächtnis, bei dem jedoch vor allem die unbestrittenen rap- und reimtechnischen Fähigkeiten von OGB und inhaltlich-atmosphärische Ausnahmenummern wie "L'Angoisse" für gute 3 Kronen sorgen.

Wertung: (3 von 5 Kronen)


Bewertung der Hörer: (0 Bewertungen / 0 Ø)


Redakteur:
Sonny

User Information:
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Rang: Stellvertreter
Wertung:
Beiträge: 1.501
Guthaben: 4.472 Bucks
Stimmung: 125%
Herkunft: von unten durch
Fav. Artist: Infinity Gauntlet, Tenshun, 3:33, Spectre
Fav. Crew: Kilowattz, WordSound,
Fav. Producer: Spectre,
Fav. CD: Mr. Dibbs- Turntable Scientifics
Lieblingsfilm: Dark City, Bad Lieutenant, Taxi Driver

- +
Level: 43 [?]
Erfahrungspunkte: 3.483.468
Nächster Level: 3.609.430

125.962 Erfahrungspunkt(e) für den nächsten Levelanstieg
User Beitrag:

yeah, sehr fetter Artikel von dir! hab grad das video von "leader" auf youtube geschaut und bin echt geflasht!
http://www.youtube.com/watch?v=K5qRarc9-1M

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von derkalte: 21.09.2011 00:36.


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